Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.
Datum
Titel
Name
So. 15.05.16
Der Geist Gottes
Susanne Briese
Der Geist Gottes

Es ist Pfingsten. Schade, dass es wieder so kalt geworden ist. Sonniges Wetter hätte das Fest doch rund gemacht. Denn viele freuen sich über die zwei freien Tage, über schönes Wetter, das Aufblühen der Natur. Was Pfingsten allerdings bedeutet, leuchtet vielen nicht mehr ein - wozu feiert man diese beiden Tage eigentlich? Zunächst mal: Pfingsten ist ein Fest, das sich auf das ganze Leben auswirken will. Nicht nur an diesem Wochenende, 50 Tage nach Ostern, sondern an jedem Tag kann Pfingsten sein. Pfingsten ist das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, das heißt: Gottes Geist soll in unser Leben einfließen, soll in uns wirken, uns bewegen.

Wie das aussieht, wenn man so vom Geist Gottes ergriffen ist? Vielleicht wird man völlig überrascht von dem, was da geschieht. Wenn sich plötzlich eine Tür öffnet, wenn man eine ganz tiefe Gewissheit spürt und zuversichtlich sein kann. Wenn auf einmal etwas geht, wovon man vorher nur träumen konnte. In der Bibel lese ich, dass die Jünger – im wahrsten Wortsinn wie aus heiterem Himmel – plötzlich Fähigkeiten an sich entdecken, von denen sie vorher überhaupt nichts wussten: Sie sprechen in allen Sprachen! Das heißt ja auch, dass Grenzen überwunden werden, wenn jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden hören und verstehen kann. Gottes Geist stiftet Gemeinschaft und hilft dabei, über Mauern zu springen. Jetzt könnten Sie sagen: „Das ist ja alles schön und gut. Aber wo gibt`s den denn, diesen Geist Gottes, wenn ich ihn grad mal brauchen sollte?“

Ja, das ist eine wichtige Frage. Wo gibt’s den Geist? Wir sind ja auch gewohnt, so zu fragen. Für alles, was wir brauchen, gibt es Orte, an denen man es kriegen kann. Und zur Not bestell ich mir`s übers Internet. Dann kommt es ins Haus – innerhalb von 24 Stunden. Alles wie gewünscht. Wäre doch toll, wenn man für den Heiligen Geist auch so eine Bestelladresse hätte. Dann könnte man sicher sein, dass man ihn zu jeder Zeit verfügbar hat. Wie so ein Zauberspruch, der die Welt auf einen Schlag besser machen kann.

 

Diesen Wunsch, die Welt zu verbessern in allen Ehren – wer will das nicht – aber so geht das nicht mit dem Geist. Wir haben uns zwar daran gewöhnt, alles sofort verfügbar zu haben. Wir haben uns daran gewöhnt, alles schnell zur Hand zu haben und selbst zu managen. Das ist ja auch im Prinzip eine gute Sache, wenn jeder da an guten Lösungen mitwirkt, wo es möglich und erforderlich ist. Manchmal erleben wir, dass unsere Entscheidungen von momentanen Eindrücken oder Erkenntnissen abhängig sind. Der Geist der Welt ist oft kurzsichtig. Der Geist des Lebens sieht dagegen weit.

Der Geist Gottes, der Geist des Lebens weht, wo und wie er will. Und er kommt überraschend auf uns zu. Wie eine Energie, die uns auf den Weg schickt, auch über Widerstände hinweg. Und plötzlich weiß ich, wozu ich lebe. Und wohin es gehen soll. Und ich spüre diese Kraft und atme auf und gehe los. Und das bleibt nicht folgenlos.

 

 

 

 

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Do. 12.11.15
Mit’n beten Afstand....
Ina Jäckel
Mit’n beten Afstand....

Mit’n beten Afstand… süht dat gor nich mehr so na’t Kuddelmuddel ut

 

„So, dor liggt dat allens“, sagt er. „Mien Plummen un de Appels un de Haver.“ Er deutet neben den Altar. Den Kopf schief gelegt tritt er noch einen Schritt zurück. „Och, so mit’n beten Afstand süht dat gor nich mehr so na’t Kuddelmuddel ut. Nu bün ik tofreden.“ Er setzt sich und legt die Hände in den Schoß. So war das kurz vorm Erntedank-Gottesdienst. Rings um den Altar stehen und liegen die Erntegaben. Das war Arbeit. Arbeit war’s auch vorher, den ganzen Sommer über während der Erntezeit. Die Wagen auf- und abladen, dazu die ängstlichen Blicke zum Himmel: „Hält sich das Wetter? Kriegen wir alles trocken rein?“ Anspannung und Eile. Wer so den Sommer über arbeitete, schwitzte in der Sonne und kehrte abends oder erst nachts ausgelaugt nach Hause. Wenn Erntedank ist, ist diese Arbeit getan. Zeit zu sehen, wie reich die Ernte in diesem Jahr ausgefallen ist. Die große Ruhe nach der großen Arbeit. – Ach, das wäre schön: Die große Ruhe nach der großen Arbeit des Tages. Einmal das Tagwerk getan haben. Einmal morgens anfangen und abends fertig sein. Einmal hinsetzen, die Hände in den Schoß legen. Einmal ernten. Einmal Ruhe haben.

Das ist meine Sehnsucht. Deine auch? – Blöd nur, dass bei all der Arbeit oft kein Ende in Sicht ist. Wirklich nicht? Oder will ich das nicht anders? Manch einer verschiebt die Ruhe nach der Arbeit lieber ein bisschen. Sie hat sowas Endgültiges. Lieber noch etwas tun. Telefonieren zum Beispiel, Fernseher anmachen, Spülmaschine ausräumen… und vergeblich darauf warten, dass sich Ruhe einstellt. Ruhe beginnt in mir selbst! Einen Schritt aus dem Alltag zurücktreten, Zeit, anzusehen, was der Tag gebracht hat. „So, dor liggt dat allens. Och, so mit’n beten Afstand süht dat gor nich mehr so na’t Kuddelmuddel ut.“ Sich hinsetzen, die Hände in den Schoß legen, den eigenen Gedanken Raum geben. Nichts tun. Vielleicht kann man Ruhe nicht einfach haben. Vielleicht muss man sie finden. Dein Sofa wartet!

 

 

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So. 01.03.15
Und - Was bringt's?
Ina Jäckel
Und - Was bringt's?

Und - was bringt's?!

Konfirmandenunterricht. Thema: Der Gottesdienst. „Was bringt mir denn ein Gottesdienst?“, fragt ein Junge und verschränkt die Arme vor der Brust. „Da passiert doch nichts!“ – Wir probieren es aus und gehen in die Kirche. Am Eingang bekommt jeder einen kleinen Zettel. Alle werden aufgefordert, aufzuschreiben, was sie gerade beschäftigt. Sorgen? Ängste? – Weiter geht’s ins Kirchenschiff. Auf dem Boden liegen verteilt viele bunte Papierstreifen mit Bibelversen. Alle dürfen sich einen aussuchen, der gefällt, der gerade anspricht. Bibelvers und „Sorgenzettel“ wandern in die Hosentasche. – Weiter geht’s in den Altarraum. Bei Saft und Gummibärchen tauschen sich die Jugendlichen aus: Welchen Bibelvers habe ich mir ausgesucht. Ein Mädchen liest vor: „Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde (Ps 62,3).“ Warum gerade den? Es wird geredet. – Am Ausgang bilden alle einen Kreis, fassen sich an den Händen. Eine Mitarbeiterin spricht ein Segenswort: Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mit mir Wege geht. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe. Wir verlassen die Kirche. Einige kichern. Einige sind ganz leise. – Zurück im Gemeindehaus. „Sollen wir jetzt sagen, was uns das gebracht hat?“, fragt ein Junge. Er zieht die Augenbrauen hoch und steckt die Hände in die Hosentaschen. „Oh, was ist das denn?“ Er zieht die Hand aus der Tasche und faltet den Sorgenzettel auseinander. „Komisch“, sagt er, „den hatte ich ganz vergessen.“

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Mo. 05.01.15
Gute Vorsätze
Gute Vorsätze

Haben Sie um die Jahreswende herum auch gute Vorsätze gefasst? Diese Tage bringen es ja oft mit sich, dass man zurück schaut und Bilanz zieht. So kann man sich über Gelungenes im vergangenen Jahr freuen und auch über Entwicklungen nachdenken, die vielleicht anders verlaufen sind, als man es sich gewünscht hat. Da kommt in 365 Tagen doch so einiges zusammen.

Mancher Rückblick lädt auch dazu ein, sich ganz konkrete Veränderungen vorzunehmen. Viele Menschen fassen dann bestimmte Vorsätze. Im neuen Jahr werde ich dies oder das nicht mehr tun bzw. dies oder das besonders schwungvoll in Angriff nehmen… Doch das kennen vermutlich viele von Ihnen auch aus eigener Erfahrung: Mit den guten Vorsätzen ist das nicht so einfach. Sie sind irgendwie nicht sehr beständig und lösen sich oft ziemlich schnell auf.

 

Zur Jahreswende bekam ich von einer Freundin Post mit einem Gedicht, das zu diesem Thema passt:

 

Flügel möchte ich besitzen,

bis zum blauen Himmel dringen,

wo die schönen Sterne blitzen –

schöner Engel, schenk mir Schwingen.

Als der Engel mich vernommen,

griff er in die Silbertruhe –

und was habe ich bekommen?

Gute, feste Wanderschuhe! (Hedwig Diestel)

 

Bei der Umsetzung guter Vorsätze hätten wir gerne manchmal engelhafte Kräfte, damit wir Mühsames und Anstrengendes sozusagen überfliegen können. Dabei sind bei den alltäglichen Aufgaben feste Wanderschuhe oft sehr nützlich.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir uns mit stabilem Schuhwerk auf den Weg in das neue Jahr machen, verwurzelt und geerdet das anpacken, was getan werden muss – und dabei beflügelt und gestärkt sind von Gottes Nähe.

Mo. 06.10.14
Ja, ist denn schon Advent?
Frank Hasselberg
Ja, ist denn schon Advent?

„Frohe Weihnachten!“ wünschte ich der Verkäuferin im Supermarkt. Auf ihren fragenden Blick sagte ich nur: „Naja, Sie haben ja schon alles im Sortiment: Lebkuchen, Weihnachtsmänner, Spekulatius und Marzipan. Also dann ist es wohl bald soweit.“ Dass es noch Monate bis zur Adventszeit sind, war uns beiden klar. Aber in vielen Läden verschwimmen diese geprägten Jahreszeiten: Sobald Weihnachten vorbei ist, grinsen mich die Osterhasen an. Und ab Ende August schwitzen die Schoko-Nikoläuse in den Regalen. Nicht nur ich finde das ätzend: Laut einer aktuellen Umfrage fühlen sich 63 Prozent der Deutschen genervt von dieser vorzeitigen Invasion, viele fordern sogar eine gesetzliche Regelung. Sie fürchten um die Vorfreude und wissen nicht, wie sie ihren Kindern erklären sollen, dass es noch Monate hin ist bis zum Weihnachtsfest.

Da frage ich mich: Warum liegt denn das Zeug jetzt schon in den Läden? Bestimmen die 37 Prozent, die dieser Irrsinn offenbar nicht stört, was passiert? Oder konsumieren auch die anderen heimlich, was sie öffentlich nicht zugeben? Klar, der Käufer bestimmt, was angeboten wird; das ist unsere Marktwirtschaft. Deshalb wünschte ich mir, dass das Kaufverhalten tatsächlich den Gefühlen entspricht. Wenn niemand diesen ganzen Kram vor November kauft, verschwindet er ganz schnell aus den Regalen. Das ist das schlichte Gesetz von Angebot und Nachfrage. Unsere ehemalige Bischöfin Margot Käßmann hat dazu schon vor Jahren die Aktion ins Leben gerufen: „Advent ist im Dezember“. Was meistens ja auch stimmt. Soll heißen: Lasst diesen verfrühten Konsum-Quatsch, genießt die Zeit, die gerade da ist. Diesen Sonntag zum Beispiel feiern wir Erntedank. Lebkuchen und Co. wird man auf den Altären nicht entdecken. Dafür freue ich mich auf die festlich geschmückten Kirchen mit dem, was Feld und Garten hergeben, auf die Kürbisse, die Äpfel, Birnen und Nüsse. Sie auch? Einen schönen Sonntag wünsche ich!

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Frank Hasselberg

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Mo. 15.09.14
Man bekommt im Leben nichts geschenkt?
Ina Jäckel
Man bekommt im Leben nichts geschenkt?

 

 

Sie rollen wieder durch die Straßen in unseren Dörfern: Die buntgeschmückten Ernte-Wagen der Schützenvereine. Was in diesem Jahr auf den heimischen Feldern geerntet wurde, kann in den Gärten der Erntemeister und in den Festzelten bewundert werden: Kürbisse, Mais und Stroh, Getreide, Kartoffeln und Gemüse und natürlich die prächtigen Erntekronen. Bei den Erntefesten ist die Stimmung ausgelassen und fröhlich. Egal, wen ich frage: „Wie geht’s dir heute?“ – Immer dieselbe Antwort: „Heute geht’s mir gut! Erntefest macht Spaß! Es ist schön, zusammenzukommen und zu feiern, zu plaudern und gemeinsam einfach eine schöne Zeit zu verbringen!“ Ich schaue mich unter den Menschen gern um: Fröhliche Gesichter, tobende Kinder, gute Stimmung, herrliches Wetter. Eigentlich schon genug Gründe, Erntedank zu feiern. Denn: Erntedankfest ist ja nicht nur etwas für Landwirte, obwohl bei den Landwirten besonders klar wird, was es damit auf sich hat: nämlich dankbar einmal das anzusehen, was man bekommt, ohne es eigentlich selber gemacht oder erarbeitet zu haben. Geschuftet hat man viel und hart, das ganze Jahr über. Gehofft, dass der Regen zur richtigen Zeit kommt und geht. Und trotzdem ist die ganze Mühe ja keine Garantie für eine gute Ernte. Eine gute Ernte ist immer auch ein Geschenk. Kein unverdientes Geschenk, aber eben doch ein Geschenk, manchmal ein sehr großzügiges.

„Man bekommt im Leben nichts geschenkt“, sagte mein Vater immer. Nichts? Das ist eine spannende Frage! Ich empfinde das nicht so. Es gibt Dinge, die ich im letzten Jahr geschenkt bekommen habe, manchmal wirklich sehr großzügig: Danke für meine Gesundheit! Das fällt mir als erstes ein. Klar, ich tue hin und wieder auch etwas dafür, versuche, mich gesund zu ernähren, fahre mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Aber eine Garantie für eine gute Gesundheit ist das längst nicht. Dafür gibt’s keine Garantie, nur Dankbarkeit, wenn ich feststelle: „Mir geht’s wirklich gut.“

„Man bekommt im Leben nichts geschenkt?“ - Spannend finde ich, wie andere Menschen das sehen – außer mir. Viele Menschen zwischen Bothel, Brockel, Hemslingen und Söhlingen habe ich in der letzten Woche bei verschiedenen Gelegenheiten gefragt*, wie sie das sehen.

 

Ein jugendliches Mädchen sagt: „Ich bin dankbar, weil ich Menschen um mich habe, die mich gern haben, so wie ich bin, auch wenn ich manchmal richtig kacke bin.“

Ein junger Mann meint: „Ich freu mich, dass ich schon ausgezogen bin, aber immer noch mein Zuhause bei meiner Familie habe, wo ich immer wieder hin komme kann.“

Eine ältere Dame gesteht: „Ich bin krank. Ich kann meinem Mann gar nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenken. Ich fühle mich beschenkt, weil er sich von morgens bis abends um mich kümmert ohne etwas zurückzuverlangen.“

Eine Frau erklärt: „Wenn ich die Zeitung so lese, denke ich immer: Gott, wie gut, dass ich mich in meinem Land mit meiner Meinung frei bewegen kann. Ich muss keine Angst haben und auch nicht fliehen.“

Ein älterer Mann sagt: „Ich habe was geschenkt bekommen, dass ich schon mein Leben lang mit mir herumtrage: Meine Erinnerungen aus der Kindheit. Die machen mir heute immer noch Freude.“

*(ausdrückliche Zitiergenehmigung der Befragten)

 

Bleibt die Frage, wo man sich eigentlich bedankt. Wem verdanken wir das, was wir an „Geschenken“ geerntet haben? Ich bedanke mich bei Gott. Ich weiß nicht, warum alles so ist, wie es ist. Und ich weiß auch nicht, wie Gott das alles so regelt. Aber ich muss auch nicht alles verstehen, um es genießen zu können – und so anzunehmen, wie es mir geschenkt wird.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die Gott nicht danken können. Ich denke: Dankbar zu sein hat wohl gar nichts damit zu tun, ob man in der Kirche ist oder nicht - oder gläubig ist oder nicht. Dankbarkeit ist zunächst ein Gefühl in mir – und dieses Gefühl braucht nicht sofort ein Gegenüber. Und manchmal kommt es vor, dass man vom Dankbarsein ins Staunen über die rätselhaften, wunderbaren Zusammenhänge im Leben kommt. Manchmal kommt es vor, dass man sich da regelrecht ergriffen, ja, vielleicht überwältigt fühlt. Man muss gar nicht alles verstehen, um es genießen zu können – und so anzunehmen, wie es einem geschenkt wird. Egal wie: Schön, wenn man dankbar sein kann zum Erntedankfest.

 

„Man bekommt im Leben nichts geschenkt?“ - Es hat bestimmt gute Gründe, wenn Menschen das so sagen. Möglicherweise lohnt es sich, mal genauer nachzufragen. Vielleicht kommt ein spannendes, tiefes Gespräch dabei heraus. Ist doch schön, wenn andere sich darauf einlassen, mir zu erzählen, wie sie das Leben sehen. Vielleicht auch ein Geschenk – so ein gutes Gespräch. Wer weiß!? Mich macht das dankbar!

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Ina Jäckel

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Mo. 23.06.14
Der Geist des Fußballs
Peter Thom
Der Geist des Fußballs

Wenn die schönste Nebensache der Welt zur Hauptsache wird, dann ist Fußball-WM. Die Stimmung ist großartig: Jubelnde Menschen überall in der Welt! So viel gute Laune und ausgelassene Stimmung! So viele wunderbare Tore und spackende Begegnungen auf dem grünen Rasen!Ein Volltreffer für die Völkerverständigung. Was die Menschen jubelnd eint, ist unschwer zu erkennen: Fußballfieber. Der Geist des Fußballs lässt die Menschen wieder friedlich und fröhlich in den Stadien und auf den Straßen feiern. Man muss nicht Fußbalfan sein, um sich mit den Fröhlichen zu freuen.

Im Hintergrund geht das politische Tagesgeschehen weiter. Und die Welt nimmt ihren Lauf; Krieg und Terror werden vom euphorischen Jubel der Fußballbegeisterten vorläufig zur Seite geschoben. Aber wie lange?

Der Geist des Fußballs kann die Fans eine Weile wohl vereinen. Aber was kommt nach der WM? In welchem Geist können die Menschen aller Völker, Kulturen und Religionen fair, friedlich und fröhlich zusammenbleiben? Und zwar nicht wegen der „schönsten Nebensache der Welt“, sondern in der Hauptsache, im Zusammenleben der Menschen?

Die Erfahrung der Glaubenden ist: Die Liebe ist das Größte überhaupt. Ihre Fans zeigen als Glaubende Flagge und schmücken sich mit den Farben der Hoffnung. Im Geiste Gottes hat fair-geben und fair-handeln eine Chance auch über die WM hinaus. Der Geist der Liebe verbindet Menschen, die so verschieden sind.

Aber sind es nicht die Religionen, die trennen? Nein! Im Namen dessen, der am Kreuz starb und auferstand, nicht der Glaube trennt, sondern diejenigen, die Interesse daran haben, ihn als Trennendes zu benutzen. Gott aber ist einer! Er verbindet alles miteinander. Und er ist Liebe.

 

 

 

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Peter Thom

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Peter
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Mo. 12.05.14
Aus einem Garn gewebt ...
Birgit Bargfrede
Aus einem Garn gewebt ...

Wir alle sind aus ganz verschied'nen Stoffen und jeder wurde jahrelang gewebt.

Doch meistens bleibt die eine Frage offen: Wie man mit seinem Muster lebt.

 

 

Fritz-Ludwig Lodengrün trägt schwer an seiner Bürde,

als nasser Mantel kam gebeugt er seinen Pfad.

Er grübelt viel, was alles wär' , wie alles würde,

daß man im Leben ja so viel zu tragen hat.

 

Im Ledersessel thront die Lederseele, aalglatt und hart, doch allseits wertgeschätzt.

Erfolg und Geld nur sei, was für sie zähle

und daß man Kraft und Zeit stets effektiv einsetzt.

 

Dann liegt da ein Gewissen, zart wie Seide,

fein und verletzlich, leicht zu überseh'n.

Es spricht im transparenten Sommerkleide von Werten, die dahintersteh'n.

 

Auf weichem Sofa sorgt sich die Frau Wolle,

daß jeder ihre Herzenswärme spürt, die fürsorglich in mütterlicher Rolle

gemütlich Fäden zueinander führt.

 

Hans Grobkord steht daneben und versteht nicht,

daß die Erziehung heute so mit Härte spart.

Hat nicht Belastbarkeit, Geduld und treue Amtspflicht

ihn selbst in mancher Krise schon bewahrt ?!

 

Flanell und Samt, ein Paar in Formvollendung.

Ästhetik, Stil und Takt sind ihre Welt.

Nur Schönheit hat für sie Bedeutung - und wenn der ganze Kleiderschrank zerfällt!

 

 

Da kommt der Modeschöpfer zu den Kreationen

und sagt: "Dein eig'ner Zuschnitt ist vor Gott zu klein.

Die Decke selbstgerechter, frommer Traditionen

ist fadenscheinig und hüllt niemand ein.

 

Knöpf' doch den Geizkragen 'mal auf, du atmest freier !

Schieb' nicht die Schuld in and're Schuhe, du läufst schwer.

All' deine Lügen sind ein durchsichtiger Schleier

und deine weiße Weste glaubt dir keiner mehr.

 

Ich geb' mich her als euer Änd'rungsschneider dabei war alles Gute mein Design !

Wer sich mir anvertraut, kommt mit sich selber weiter

und wird für Gott und and're ein Gefallen sein.

 

Ihr alle seid aus herrlich bunten Stoffen

und jeden hab' ich jahrelang gewebt.

Man kann für Euch und euren ganzen Schrank nur hoffen,

dass ihr nach meinem Muster lebt !" 

von Andreas Malessa, auf „Langarbeitsheftspielscheibe“

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Mo. 28.04.14
Gesucht wird...
Frank Hasselberg
Gesucht wird...

„Deutschland sucht den Super-Konfi“. Nein, keine Sorge, das ist nicht schon wieder eine neue Casting-Show, davon gibt es wirklich genug im Fernsehen. Der Super-Konfirmand wird diesen Sonntag beim Vorstellungsgottesdienst in der Eine-Welt-Kirche gesucht. Es gibt Moderatoren, eine Jury – und Kandidaten. Einige der Jugendlichen treten zum „Wettbewerb“ an mit Themen wie zum Beispiel „Die Taufe – mehr als nass werden“, „Psalm 23 in moderner Form“, „Warum der Mittwoch die Mitte der Woche ist“ oder „Die 10 Gebote der Jugend“. Sie haben sich dazu ernsthaft Gedanken gemacht und wollen natürlich gut abschneiden. Allerdings wird die Jury keinen „Super-Konfirmanden“ küren, denn am Ende wird deutlich, wohin die Reise bei Gott geht: Er liebt uns, ohne dass wir uns verbiegen oder miteinander konkurrieren müssen.

Wahrscheinlich ist es in uns Menschen drin, dass wir immer die besten sein wollen. Schon zwei der Jünger, Jakobus und Johannes, wollten zur rechten und linken Seite Jesu sitzen, so heißt es im Evangelium (Markus 10, 35-45). Er weist ihre Bitte zurück. Das Gespräch gipfelt in der Aussage: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.“ Darauf ist von den Konfirmanden noch keiner gekommen, und auch uns Erwachsenen fällt es oft schwer, zurückzustecken. Wer ist schon gerne Diener oder Knecht? Warum soll ich nachgeben, soll doch der andere… Aber bei Gott gelten andere Gesetze. „Superstars“ sind bei ihm, die ihre Mitmenschen mehr im Blick haben als ihre eigenen Interessen. Die nicht zuerst an ihren eigenen Vorteil denken. Die rücksichtsvoll sind und anderen helfend die Hand ausstrecken. Das können ganz kleine Dinge sein. Und es ist oft leichter, als sich abzustrampeln, um als Erster durch´s Ziel zu gehen. Zumal das immer nur einer sein kann.

Gefragt sind „Gottes Team-Player“. Mal sehen, wann meine „Super-Konfirmanden“ das verstehen. Ich wünsche es ihnen und allen Jugendlichen, die in den nächsten Wochen konfirmiert werden.

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Di. 25.03.14
Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans…
Peter Thom
Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang. In den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich.

Der Weg zum Kreuz

Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang. In den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich. Das ist gut so. Wir können diesen Weg nach­vollziehen. Was wir über unser eigenes Leben und Leiden den­ken, mag so in Beziehung geraten zu dem Leiden und Leben Jesu.

Prophetenworte zeigen: Der Menschensohn geht im Namen Gottes ans Kreuz. Hier beginnt keine neue Geschichte. Der Gott der Väter ist der Vater von Jesus. Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht weiter. Die Liebe Gottes hört nicht auf. Gott bleibt derselbe, auch im Sterben Jesu.

Für uns ändert sich dadurch ei­ne Menge in unserer Einstellung zum Leben. Nur das aktive, er­folgreiche, sichtbar mit Wohl­stand gesegnete Leben erscheint uns erstrebens- und le­benswert. Krankheit, Behinde­rung, Arbeitslosigkeit und beruf­liches Versagen stempeln das Le­ben als „lebensunwert" ab. Eine unheilbare Krankheit oder quä­lende Schmerzen verletzen die Menschenwürde. Einem solchen Leben den selbstgewählten Tod vorzuziehen, scheint für manchen Zeitgenossen berechtigter Aus­druck menschlicher Freiheit zu sein.

Jesus geht seinen Weg ans Kreuz. Und geht ihn zu Ende, da­mit wir verstehen: Vor Gott gibt es kein „lebensunwertes" Leben. Kein Leben ist so wertlos, dass es nicht doch von Gott angenommen wäre.

Jesus geht seinen Leidensweg, damit wir lernen: Schmerzen und Leiden tun der Menschenwürde keinen Abbruch. Es ist dem Men­schen durchaus würdig, Krank­heit und Schwäche zu erleiden. Einen natürlichen Tod zu sterben, liegt in der Natur des Menschen. Eine künstliche Ver­längerung des Lebens tastet die Menschenwürde genauso an wie seine künstliche Verkürzung.

Jesus hat das Leiden ausgehal­ten: Das Urteil über seine Men­schenwürde hat er Gott überlas­sen. Und der hat sein österliches Ja gesprochen. Seitdem hat sich für uns eine Menge verändert. Über unsere Menschenwürde ist entschieden: Nichts kann uns scheiden von der Liebe. Gottes, nichts! Unsere Menschenwürde kann nicht verloren gehen. Neh­men wir Gottes Urteil an.

Pastor Peter Thom

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Di. 04.03.14
Oscar
Birgit Bargfrede
Oscar

Oscar!

Seit Wochen wird wieder gemunkelt und spekuliert, wen sie dieses Jahr wohl für den weltweit bedeutendsten Filmpreis nominieren.

Ist ja auch spannend: Welche Haupt- und Nebendarsteller, welche Regisseure, Kameraleute, Maskenbildner und Filmmusiker können sich eine der heiß begehrten goldenen Statuen ins Regal stellen? Die diesjährigen Gewinner wurden wie immer ordentlich gefeiert.

Oscar. Hätten Sie nicht gerne auch so einen? Muss doch ein klasse Gefühl sein: Ich bin erwählt! Ich bin etwas Besonderes! Ich gehöre zur Elite!

Einmal zu hören: "And the winner is ..." Und dann: Ihr Name.

Wahrscheinlich ist das eine der tiefsten menschlichen Sehnsüchte überhaupt, dieses Gefühl, beachtet, ausgezeichnet zu werden. Das Wissen: "Ich bin gut!" Na, zumindest halten mich alle dafür.

Die Logik des christlichen Glaubens sieht komischerweise völlig anders aus. Sie sagt: "Mensch, du bist schon deshalb etwas besonderes, weil es einen Gott gibt, der dich geschaffen hat und dich liebt." Oder, um es anders auszudrücken: "Du brauchst keine Auszeichnung, um dich gewollt und angenommen zu fühlen."

Würde Gott Oscars verleihen, dann würde er heute sagen: "Hey, nominiert seid ihr alle!"

Denn die Frage lautet nicht: "Wer gewinnt?", sondern: "Holst du dir den Preis auch ab?"

Zu deutsch: Kannst du das Glauben?

Dann wirst du dich tatsächlich "ausgezeichnet" fühlen.

 

Aus: "Moment Mal - 365 Radio-aktive Andachten" von Fabian Vogt

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Sa. 18.01.14
Hände
Birgit Bargfrede
Hände

Wahrscheinlich ist keines unserer Körperteile so sehr in Bewegung wie die Hände. Von Handarbeit über Händeklatschen bis Handgreiflichkeiten, na das können sie sich an fünf Fingern abzählen.

Nun können Hände bekanntermaßen allerhand Gutes anstellen, aber eben auch allerhand Schlechtes. Das Allerschönste, was sie - meiner Meinung nach - tun können, ist segnen. Was kann es denn Besseres geben, als die Zusage: "Gott will mit dir sein"?

Da hebt einer die Hände zum Segen. Und schon weiß jeder, dass es jetzt um den Kontakt zu etwas geht, über das Menschen nicht verfügen können, das Gott aber jederzeit schenken will: das Vertrauen darauf, dass seine Hand uns hält. Umfragen haben übrigens ergeben, dass der Segen für Kirchgänger das mit Abstand wichtigste Element im ganzen Gottesdienst ist. "Hallo, ich will gesegnte nach Hause gehen."

Heute werden die Hände meistens nur noch symbolisch über die ganze Gemeinde ausgestreckt. Früher war es ganz selbstverständlich, Menschen die Hände persönlich aufzulegen, um ihnen damit deutlich zu machen, dass Segen körperlich erfahren werden kann.

Ich bin der festen Überzeugung: Wenn man jemandem sagt: "Ich segne dich", dann macht das etwas mit ihm. Irgendwie haben wir verlernt, andere einfach mal kurzerhand zu segnen. Schade. Dabei spricht doch gar nichts dagegen. Sie können das ja heimlich mal ausprobieren: "Ich segne dich"!

 

(Andacht aus "Moment Mal! - 365 Radio-aktive Andachten" von Fabian Vogt)

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So. 12.01.14
Auch Jesus war ein Flüchtlingskind
Birgit Bargfrede
Auch Jesus war ein Flüchtlingskind

Auch Jesus war ein Flüchtlingskind

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,

erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn

und sagte: Steh auf, nimm das Kind

und seine Mutter, und flieh nach Ägypten;

dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage;

denn Herodes wird das Kind suchen,

um es zu töten.

 

Da stand Josef in der Nacht auf

und floh mit dem Kind und dessen Mutter

nach Ägypten. Dort blieb er

bis zum Tod des Herodes.

Denn es sollte sich erfüllen,

was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

 

Mt 2,13-15

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Birgit Bargfrede

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Birgit
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Mo. 23.12.13
Lasst uns gehen
Birgit Bargfrede
Lasst uns gehen

Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist.

(Lukas 2,15)

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Mo. 08.07.13
Urlaub zu Hause?
Jens Ubben
Urlaub zu Hause?

Gehören Sie auch zu der Gruppe Menschen, die an unbekannten Orten kaum zu bremsen sind und eine Sehenswürdigkeit nach der anderen entdecken wollen? Da wird keine Attraktion ausgelassen, kein interessanter Platz ist mehr sicher. Fern von der Heimat ruft fast alles Neugierde hervor. Nur zu Hause, da wo ich wohne und lebe, habe ich bei weitem noch nicht alles erkundet, was es zu entdecken gibt. Manche Ziele steuere ich nur an, wenn ich sie Besuchern zeigen möchte. Komisch! Ob das was für mich wäre, zu Hause Urlaub zu machen?

Die Frage können wir nur beantworten, wenn wir überlegen, warum wir eigentlich Urlaub machen. Meine Erfahrung: Wenn wir mit Menschen über Urlaub reden, erfahren wir etwas über Sehnsüchte. Denn fast alle wollen im Urlaub etwas erleben, was im Alltag nicht vorkommt.

Viele nutzen Urlaub, um von etwas wegzukommen. Mal weit weg sein dürfen. Vertrautes hinter sich lassen für eine Zeit. Das ist sicher wichtig, aber auch ein merkwürdiger Ansatz. Sollte Urlaub nicht weniger ein Wegkommen sein, sondern vielmehr ein Ankommen? Ein Ankommen bei mir selbst? Dabei kann es natürlich hilfreich sein, eine andere Umgebung anzusteuern, vielleicht einen Strand, Inspiration durch Kultur, Zeit für Lesen, Natur und vieles mehr. Aber das Drumherum ist ja nicht das Eigentliche. Am Ende des Urlaubs möchte ich sagen können: Ich bin mir selbst ein Stück näher gekommen!

Kennen Sie die biblische Geschichte von Jona? Der hatte so viel Angst davor, sich mit Gottes Herausforderungen beschäftigen. Und das heißt eben auch: Mich mit mir selbst beschäftigen, mit dem, was mich im Tiefsten ausmacht. Jona suchte lieber das Weite. Und buchte kurzerhand einen Platz auf dem nächsten Schiff. Doch seine Flucht klappte nicht: Er fiel über Bord, wurde von einem Wal verschluckt. Und genau da an Land gespuckt, wo er sich den Fragen seines Lebens stellen musste.

Urlaub heißt ankommen. Manchem, der lieber weit fährt, würde das vielleicht zu Hause sogar leichter fallen. Kommen Sie gut bei sich an!

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
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Jens
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Fr. 21.06.13
Toleranz
Karin Klement
Toleranz

Wer die Bilder aus Istanbul sieht, erschrickt, empört sich. Zumeist junge Menschen, sogar Familien mit Kindern werden mit harten Wasserstrahlen der Polizei über die Straße gejagt. Tränengas brennt in ihren Augen. Mit Schlagstöcken prügeln Männer in Uniform wehrlose Frauen nieder. Öffentliche Proteste, Widerstand gegen den Abriss des symbolträchtigen Gezi-Parks erschüttern die langgepflegte Selbstherrlichkeit des türkischen Ministerpräsidenten. Widerspruch kann er nicht dulden; unzählige Oppositionelle wanderten bereits in Gefängnisse, Reporter werden massiv eingeschüchtert, Ärzte, die den Verletzten helfen, bekommen Druck von oben. Erdogan duldet keine Kritik an seiner Politik; er wehrt sich mit aller Macht, die ihm der Staat bietet.

Wer die Bilder aus Istanbul sieht, leidet mit, als ob er selbst die Schläge ertragen müsste. Zorn brennt auf, Wut, die zurückschlagen will. Jesus ging in den Tempel, trieb alle Verkäufer und Käufer heraus, stieß die Tische der Geldwechsler um und sprach zu ihnen: Gottes Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!

Überall, wo Menschen sich ungerecht behandelt fühlen, äußern sie Protest, werden sogar handgreiflich. Ruhig zu bleiben fällt extrem schwer. Dennoch braucht es die Begrenzung der Gewalt; sie geht einher mit der Bereitschaft zum Erdulden. Toleranz ist eine geistige Einstellung, eine innere Haltung; ich kann sie nicht von anderen fordern, ohne mich selbst darum zu bemühen. Deeskalation fängt in mir – der innerlich Aufgewühlten – an.

Jesus sagt: Liebt eure Feinde. Denn Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

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Karin Klement

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So. 16.06.13
Sich trauen zu bitten
Matthias Richter
Sich trauen zu bitten

Ein Junge bemühte sich vergeblich, einen riesigen Stein hochzuheben. Der Schweiß rann ihm von der Stirn. Sein Vater schaute zu und sagte schließlich: „Du setzt ja nicht deine ganze Kraft ein!“ „Natürlich“, rief der Junge, „das siehst du doch!“. Der Vater widersprach: „Das stimmt nicht. Du hast mich noch nicht um Hilfe gebeten!“

Ich bin sicher, der Junge hat was gelernt. Denn wenn es wichtig und richtig ist, dass der Stein gehoben werden muss, dann ist es genauso richtig und wichtig, um Hilfe zu bitten und Unterstützer zu suchen.

Zu meiner Tätigkeit für Kirche und Diakonie gehört es, dass ich selbst viele Menschen bitte und Unterstützer suche für soziale Aktionen. Außerdem ermutige ich viele Gremien und Kirchenvorstände, dass sie es ihrerseits wagen zu bitten und sich Unterstützer für die Projekte suchen, die sie angehen wollen. Oft suchen wir Menschen, die uns Geld spenden. Häufig geht es auch um gespendete Zeit und praktische Hilfe, manchmal auch um konkrete Gegenstände. Gemeinsam lässt sich viel bewegen: Da können Schwerstbehinderte Ausflüge machen, auch wenn die Krankenkasse das nicht vorsieht. Da können Jugendliche von der Straße geholt und begleitet werden, auch wenn das Gemeindebudget das nicht hergibt. Da können Sterbende und ihre Angehörige so betreut werden, wie ich es auch einmal für mich erhoffe. Für all solche Projekte bitte ich andere um Hilfe, um Zeit und Geld.

„Ist Ihnen das nicht peinlich,“ werde ich manchmal gefragt, „die Leute so zu nerven?“ Nein, das ist es mir nicht. Denn wenn der Stein gehoben werden muss, dann darf man sich nicht zu schade sein, sich Unterstützer zu suchen. Und außerdem ist eine höfliche und transparente Bitte niemals peinlich oder nervend, sondern schlicht menschlich. Viele Aufgaben in der Kirche, in der Arbeit mit behinderten oder kranken Menschen sind eben nur mit Unterstützern zu lösen. Mit Menschen, die über sich selbst hinausdenken. Allen anderen Behauptungen zum Trotz: Viele Menschen helfen gerne, Gott sei Dank.

Wahrscheinlich ist es ein guter Weg, das Glück zu finden: Sich trauen zu bitten. Und auf solche Bitten zu antworten. Und am Ende ist der Stein gehoben.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77-0
Di. 09.04.13
Die eiserne Lady
Matthias Richter
Die eiserne Lady

Die eiserne Lady ist tot. Am letzten Montag ist die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher im Alter von 87 Jahren gestorben. Davor war sie lange dement, lebte zurückgezogen.

Eigentlich ist das kaum eine Nachricht, die zu großen Gefühlen Anlass gibt. Sie hatte ein langes Leben. Und die großen Zeiten der umstrittenen Dame liegen über 20 Jahre zurück. Für die einen repräsentierte sie die Stärke ihrer Nation. Eine Frau, die anpackt, die endlich mal aufräumt. Für die anderen steht sie für sozialen Kahlschlag und für die Absurdität des Falklandkrieges. Und sie haben nicht ihre Nibelungentreue zum chilenischen Diktator Pinochet vergessen, den sie als aufrechten Kommunistenhasser verehrte.

Jetzt ist sie tot. Eigentlich ein guter Anlass, um noch einmal fair Bilanz zu ziehen. Wären da nicht die Gefühle. Die einen steigern nun ihre Verehrung für eine große Staatsmännin, blenden alles Kritische aus. Sie reduzieren die Lady auf den eindrucksvollen Einsatz ihrer Handtasche und ihre pfiffige Schlagfertigkeit. Die anderen verbrennen öffentlich Porträts von ihr, singen "Ding Dong, die Hex' ist tot!" und schmähen sie posthum als Schlampe.

Natürlich erklärt sich solche fortdauernde Polarisierung mit ihrem Leben, das früher schon nur wenige kalt ließ. Und natürlich wird auch manche Reaktion durch die Medien aufgebläht. Und dennoch beschäftigen mich die Berichte - vielleicht weil ich daran denke, was einmal über mich gesagt wird?

Vielleicht geht es manchen so wie mir, dass sie sich wünschen würden: „Wenn ich einmal soll scheiden, dann erinnert Euch an mich. Seid ruhig ehrlich dabei. Ja, ich habe manches verbockt, habe vieles falsch eingeschätzt. Manchmal war ich kein hilfreicher Zeitgenosse, und es war nicht leicht mit mir. In manchen Sachen war ich aber auch richtig gut. Ein paar Mal war ich wirklich selbstlos. Einige Male konnte man sich ein Vorbild an mir nehmen. Licht und Schatten eben – traut Euch und sprecht über beides. Ich hoffe, dass Euer letztes Urteil nachsichtig ist. Aber wenn das nicht geht, ist es eben auch so. Auf jeden Fall werde ich im Himmel viel über mich selbst lernen – und mit Euch noch viel zu diskutieren haben.“

 

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Matthias Richter

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Fr. 28.09.12
»In seiner Hand: Eine Kanne voll Benzin…«
Marco Müller
»In seiner Hand: Eine Kanne voll Benzin…«

Er steht nahe dem Feuer, er spürt die Hitze auf seinem Gesicht. In seiner Hand eine Kanne voll Benzin. Dann hebt er sie und gießt sie genüsslich in die Flammen. Sie schlagen erbost hoch, fressen die Provokation, wollen sich nicht beruhigen. Und sie breiten sich aus, greifen nach dem, was um sie herum steht. – Und er steht dort, in sicherem Abstand, und lacht. Als hätte er ein lustiges Feuerwerk gezündet. Und als man ihn fragt, warum er solche Zerstörung anrichtet, sagt er: »Nicht ich war‘s. Das Feuer war‘s. Ich habe nur von meinem Recht auf freie Meinung Gebrauch gemacht. Und meine Meinung ist: Dies ist lustig!«

Wütende Schreie, tobende Massen, brennende Fahnen, Angriffe auf westliche Botschaften, Tote. Ich wünschte, die demonstrierenden Massen in der arabischen Welt ließen sich nicht so leicht provozieren. Man spielt mit ihnen und sie lassen es zu. Sie werden benutzt. Ein perfider Plan. Und während die Zündelnden auf den Wert der Meinungsfreiheit pochen, droht ein anderer Wert verloren zu gehen: Der Respekt voreinander; die Achtung vor dem, was dem anderen heilig ist. Manchmal gilt es, weise abzuwägen, statt Prinzipien zu reiten!

Was dem Anderen heilig ist, das kann ich freilich nur erahnen, wenn wir im Gespräch miteinander sind! Wenn Dialog gesucht wird. Von ihm! Und von mir! Wenn wir bereit sind zu verstehen, was uns trennt und was uns verbindet. Ich begreife solch ein Zugehen aufeinander als einen Weg, der mir als Christ durch Jesus gewiesen ist. War nicht er es, der den Menschen zugehört hat? Der sich zwischen die Fronten gestellt hat? Der über den Glauben eines römischen (nichtjüdischen!) Hauptmanns gestaunt hat: »Solchen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden…« Umso sprachloser und wütender macht es mich, wenn ausgerechnet Pastoren (!) wie Terry Jones in den USA sich berufen fühlen, Korane zu verbrennen, Puppen des Propheten Mohammed zu basteln und aufzuknüpfen und vor laufenden Kameras mit ihren Pistolen herumzufuchteln.

Aus der kirchlichen Jugend in den USA schwappte vor acht Jahren eine Bewegung zu uns herüber, die hier damals viele Nachahmer fand. Jugendliche trugen Armbänder, auf denen eingestickt war: WWJD – What would Jesus do? Was würde Jesus tun? Ich glaube nicht im Ernst, dass er eine Kanne Benzin in der Hand hätte. Ich glaube, er würde sich zwischen den wütenden Mob und die Botschaftsmauern stellen und in BEIDE Richtungen sagen: Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Und es würde ganz still.

Pastor Marco Müller