Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

Seiten

Datum
Titel
Name
So. 04.10.20
Kirchentürandacht 04.10.2020
Ralf Altebockwinkel
Kirchentürandacht 04.10.2020

Ein Text aus der Bibel für das Erntedankfest 2020

Jesus macht viertausend Menschen satt

Damals waren wieder einmal viele Menschen bei Jesus versammelt, und sie hatten nichts zu essen. Da rief Jesus die Jünger zu sich und sagte: »Die Leute tun mir Leid. Seit drei Tagen sind sie hier bei mir und haben nichts zu essen. Wenn ich sie jetzt hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn sie sind zum Teil von weit her gekommen.« Die Jünger gaben zu bedenken: »Wo soll jemand hier in dieser unbewohnten Gegend das Brot hernehmen, um all diese Menschen satt zu machen?«
 »Wie viele Brote habt ihr?«, fragte Jesus, und sie sagten: »Sieben!« Da forderte er die Leute auf, sich auf die Erde zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach darüber das Dankgebet, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Austeilen. Die Jünger verteilten sie an die Menge. Außerdem hatten sie ein paar kleine Fische. Jesus segnete sie und ließ sie ebenfalls austeilen. Die Leute aßen und wurden satt und füllten sogar noch sieben Körbe mit dem Brot, das übrig blieb. Es waren etwa viertausend Menschen. Dann schickte Jesus sie nach Hause, stieg mit seinen Jüngern in ein Boot und fuhr in die Gegend von Dalmanuta.

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Gedanken von Pastor Ralf Altebockwinkel

Ein unglaubliches Wunder

Sieben Brote. Das ist ganz schön wenig für eine Menge von 4000 Menschen. Was uns dort in der Bibel berichtet wird, ist wirklich ein unglaubliches Wunder. So etwas erleben wir in der Regel nicht – oder doch?

An Erntedank richten wir den Blick in die Landwirtschaft. Wer nicht gerade begeisterte Gemüsegärtnerin ist oder selbst in der Landwirtschaft arbeitet, der mag schon fast vergessen haben, welches Wunder Jahr für Jahr auf unseren Äckern und in unseren Gärten geschieht. Jahr für Jahr wird Saatgut ausgesät, reift über Wochen und Monate zu Pflanzen heran, die schließlich Frucht tragen. Wenn geerntet wird, dann ist aus einem kleinen Samenkorn, nehmen wir mal beispielsweise ein Maiskorn, eine Pflanze mit zwei Kolben geworden. Und an jedem Kolben finden sich etwa 500 Körner. Ist das nicht unglaublich? Aus einem Korn werden mit etwas Geduld und Pflege tausend Körner. Ein Wunder, dass zumindest zahlenmäßig der sagenhaften Brotvermehrung Jesu in nichts zurücksteht.

Klar, das eine geschieht Jahr für Jahr und wir können es wieder und wieder beobachten – das, was bei Jesus geschehen ist wohl eher nicht. Und vielleicht ist es ja auch nur dieses eine Mal geschehen, um eines deutlich zu machen: In Gottes Reich gilt auch das Gesetz von Saat und Ernte.

Glauben heißt, mit Gottes Wirken zu rechnen – so wie der Landwirt darauf vertraut, dass auch dieses Jahr aus dem Maiskorn ein Kolben werden wird. Genau so können auch wir darauf vertrauen, dass unsere bescheidene Gabe, unsere kleine Begabung, unsere zaghafte Liebe gewaltige Frucht tragen kann. Wenn wir sie verschenken, so wie der Landwirt das Maiskorn dem Acker überlässt, dann wird Gott aus unserer kleinen Saat ein unglaubliches Wunder machen.
 

Gebet

Lobe den HERRN, meine Seele! Vom Himmel schickst du den Regen auf die Berge und gibst der Erde reichlich zu trinken. Du lässt das Gras sprießen für das Vieh und lässt die Pflanzen wachsen, die der Mensch für sich anbaut, damit die Erde ihm Nahrung gibt: Der Wein macht ihn froh, das Öl macht ihn schön, das Brot macht ihn stark. Herr, was für Wunder hast du vollbracht! Alles hast du weise geordnet; die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Sie nehmen, was du ihnen ausstreust; du öffnest deine Hand und sie alle werden satt. Ich will dem Herrn singen mein Leben lang; meinen Gott will ich preisen, solange ich atme. Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Aus Psalm 104

Ich bitte für…

Gott, ich bitte dich für alle, die Hunger leiden. Hilf uns zu teilen, lass sie nicht allein, sondern wende dich ihnen voll Erbarmen zu.

Gott, ich bitte dich für alle, deren Seele hungert und dürstet nach Sinn, nach Frieden und Erfüllung. Stille du ihre Sehnsucht.

Gott, alles, was mich gerade bewegt lege ich in der Stille vor dich hin…

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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So. 27.09.20
Kirchentürandacht für die letzte September-…
Dr. Matthias Wilke
Kirchentürandacht für die letzte September-Woche 2020

Biblische Worte für die letzte September-Woche 2020

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Bekenne dich daher ohne Scheu zu unserem Herrn, … [sei] auch du bereit, für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben. Er ist es ja auch, der uns gerettet und dazu berufen hat, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken, und das ist jetzt, wo Jesus Christus ´in dieser Welt` erschienen ist, Wirklichkeit geworden. Er, unser Retter, hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

 (aus: 2. Timotheus 1, 7-10)

 

Gebet (frei nach Psalm 68):

Ich möchte Dir danken, Gott, mit Blick auf die Sonne, den Herbst, das Licht. Ja, ich merke es: Du gibst mir Kraft. Du stärkst in mir immer wieder die Zuversicht, dass Du da bist. Ich möchte Dir danken.

Du legst uns eine Last auf, gerade in diesen Monaten. Aber du hilft uns auch.

Du bist ein Gott, der mir hilft, und bist der HERR, der vom Tode errettet. Dir sei Dank. Amen

 

Ich bitte dich für...

… die Menschen, die traurig und betrübt sind, weil sie Angst haben, weil sie krank oder gebrechlich sind.

… die Menschen, denen in diesem Herbst ein lieber Mensch fehlt.

…  die Menschen, deren Hände müde oder verkrampft sind, weil sie sich so sehr anstrengen müssen: andere zu pflegen oder zu begleiten, unsere Zukunft in schwierigen Zeiten zu gestalten.

… die Menschen, die Nähe vermissen.

… die Menschen, die in Streit und Krieg leben, leben müssen.

In der Stille nennen wir Dir, Gott, die Namen derer, für die wir Dich heute bitten möchten: – Stille –

Vater unser …


Gedankensplitter zu Bild und biblischen Worten

In manchem Schlafzimmer ist es der Wecker. Er durchbricht mit seiner leuchtenden Zeit die Dunkelheit. An der Decke im Kinderzimmer sind es kleine Sterne, die tagsüber sich mit Licht geradezu „vollsaugen“ und in der Nacht nachleuchten. Draußen am Himmel sind es auch die Sterne, die uns Orientierung geben in Raum und Zeit. Gewiss, anders als im Kinderzimmer sind sie manchmal von Wolken verhangen. Doch in den „sternenklaren“ Nächten erhellen sie uns die Weite – bis der neue Morgen kommt.

So auch Jesu Evangelium. Jesu Worte sind wie die Sterne: in ihnen leuchtet seine Gewissheit für uns nach: „Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben...“. Jesu Lebensweg ist zudem verlässlich wie der Gang des Weckers. Ich weiß ganz gewiss, dass nach drei Uhr vier Uhr kommt, weiß: „Er, unser Retter, hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht.“ Auch wenn ich mal nicht schlafen kann, gibt der Blick in die Weite des Evangeliums mir Trost. Wir gehen mit Licht durch die Zeit, die uns gerade bedrückt, und gehen besonnen dem Morgen entgegen: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“

                               Ihr und Euer Pastor Matthias Wilke

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So. 30.08.20
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen
Dr. Matthias Wilke
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen

"Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen."

Biblische Worte für die erste September-Woche 2020
Im Buch des Propheten Jesaja findet sich die folgende Verheißung. Wer aber ist dieser „mein Knecht“, von dem hier die Rede ist? In Matthäus 12, 20 werden die Worte auf Jesus bezogen. Er sei der „Knecht Gottes“.
Wen auch immer wir bei den folgenden Worten vor Augen haben werden, auf jeden Fall kommt der, der uns Hoffnung bringt, im Namen Gottes – und wird den „glimmenden Docht nicht löschen“. So beschrieb es einst der Prophet Jesaja:
„Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn –
und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben“, spricht Gott; „er wird das Recht unter die Menschen bringen.
Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“
(aus: Jesaja 42, 1-3)

Als Gebet lassen wir uns mit unseren Gedanken mit hineinnehmen in Worte aus dem alten Gebet der Beterin/ des Beters des 147. Psalm:
Gut ist es, für unseren Gott zu singen, ja, schön ist solch ein Lobgesang!
Der Herr selbst schenkt denen Heilung, die ein gebrochenes Herz haben und verbindet ihre schmerzenden Wunden.
Der Herr hilft den Unterdrückten auf.
Ihn beeindruckt nicht die Stärke des Pferdes, er freut sich auch nicht über die Muskeln des Kämpfers.
Gefallen hat der Herr an denen, die ihm mit Ehrfurcht begegnen.
Er hat die Kinder in deiner Mitte gesegnet.
Er ist es, der innerhalb deiner Grenzen Frieden schenkt. Halleluja!

Ich bitte dich für...
… die Menschen, die traurig und betrübt sind, weil sie Angst haben vor der Zukunft, weil sie krank oder gebrechlich sind.
… die Menschen, denen in der vergangenen Woche wehgetan wurde oder gerade jetzt ein lieber Mensch fehlt.
… die Menschen, deren Hände müde oder verkrampft sind, weil sie sich so sehr anstrengen müssen: andere zu pflegen oder zu begleiten, unsere Zukunft in schwierigen Zeiten zu gestalten.
… die Menschen, die Nähe vermissen.
… die Menschen, die in Streit und Krieg leben, leben müssen.
In der Stille nennen wir Dir, Gott, die Namen derer, für die wir Dich heute bitten möchten: – Stille –
Vater unser …

Gedankensplitter zu Bild, Psalm und biblischen Worten
Wenn der Docht verglimmt, malt er Erinnerungen in die Luft. Figuren, vielleicht, Gedanken, die ich im Rauch sehe. Und dann… bleibt noch eine Weile der Geruch im Raum. Doch es wird stiller, viel stiller.
Der alte Mann schaute dem Rauch noch länger nach. Dann schloss er die Augen. So saß er da. Er hing seinen Gedanken nach. Eine Erinnerung nach der anderen leuchtete auf … und verstrich: Seine Kinder; lange nicht mehr gesehen. Aber als sie klein waren; war das schön; und doch: wie viele Sorgen hatten Margrit und er sich nicht um sie gemacht. Margrit. Wie schön sie war, als sie beide sich beim Erntefest trafen, tanzten, nach Hause gingen; und wie mutig er dann fragte, ob er sie wiedersehen dürfe. War ja alles noch anders, kurz nach dem Krieg. Er hatte damals schon so viel… so viele Tote gesehen. Als Kind nannten ihn alle „Hasenfuß“. Aber darauf nahmen sie keine Rücksicht, als sie ihn von der Schulbank weg hinter die Flak riefen… Und was wird bleiben? Er hatte sein Leben gelebt. Das wusste er – spürte den Luftzug. Ewigkeit? Ja, so stellte er sich das Sterben vor: Ewigkeit ist das Licht, das kommt, wenn ich die Augen schließe. Darauf deuteten für ihn die Worte Jesajas hin: „Den glimmenden Docht wird Gott nicht auslöschen“.
Er war noch so in Gedanken, da klopfte es an der Tür – und er dreht sich um und lächelte.
Ihr und Euer Pastor Matthias Wilke

 

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So. 23.08.20
11. Sonntag nach Trinitatis
Florian Hemme
11. Sonntag nach Trinitatis

11. Sonntag nach Trinitatis - Ein Vers aus der Bibel: Denn wir sind ohne Besitz auf diese Welt gekommen, und genauso werden wir sie auch wieder verlassen. (1. Timotheus 6,7)

Eine Frage der Perspektive

Die Urlaubszeit geht langsam zu Ende. Für die Andacht möchte ich Sie dennoch mitnehmen auf eine Reise an einen Strand.
Am Strand sitzt ein Fischer. Nachdem er die Ernte seiner Arbeit auf den Markt gebracht hat, blickt er aufs Meer.
Da fragt ihn ein Tourist: „Du Fischer, warum nimmst Du eigentlich keinen Kredit auf? Du könntest Dir einen Motor für Dein Boot kaufen und das Doppelte fangen. Das brächte Dir viel Geld für einen Kutter und einen zweiten Mann ein. Du hättest dann zwei Boote und könntest zweimal damit rausfahren. Jetzt hast Du nur ein Boot und fährst einmal heraus. Mit zwei Booten, die zweimal fahren, könntest Du das Vierfache verdienen. Warum trödelst Du herum?
Du könntest Dir einen dritten Kutter kaufen. Das Meer könntest Du viel besser ausnutzen, um Geld zu verdienen. Du wärst in der Lage einen eigenen Stand auf dem Markt zu betreiben, Du hättest Angestellte, ein Fischrestaurant und vielleicht eine eigene Konservenfabrik.“
Die Augen des Touristen begannen förmlich zu leuchten.
„Und dann?“ unterbricht ihn der Fischer?
„Dann könntest Du den ganzen Tag hier sitzen und glücklich auf das Meer hinausblicken!“
„Aber das tue ich doch schon jetzt“, sagte darauf der Fischer.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Lebenssituation dankbar aus Gottes Hand nehmen können, egal, was andere dazu sagen!

Ihr Pastor Florian Hemme

Fürbitten:
Himmlischer Vater,
ich danke dir dafür, dass wir jederzeit zu Dir kommen können.
Jeder Mensch geht auf dieser Erde einen individuellen Lebensweg mit dir. Du gehst diesen Weg mit, unabhängig davon, wie dieser Lebensweg aussieht.
Bei dir ist jeder Mensch willkommen und wertvoll.
Egal, ob wir viel Geld haben, oder wenig. Zu Dir können wir so kommen, wie wir sind.
Du möchtest unsere Herzen anrühren und uns Kraft geben, damit wir als deine geliebten Kinder auf dieser Erde leben. Ich bitte dich für mich und alle anderen: Schenk Du uns inneren Frieden.
Amen.

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So. 09.08.20
Die Berufung des Propheten Jeremia
Ralf Altebockwinkel
Die Berufung des Propheten Jeremia

Die Berufung des Propheten Jeremia (Jeremia 1,4-10)

Ein Text aus der Bibel
für den 9. Sonntag nach Trinitatis

Eines Tages sprach der HERR zu mir: »Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt, um mir allein zu dienen. Du sollst ein Prophet sein, der den Völkern meine Botschaften verkündet.«
Ich aber erwiderte: »O nein, mein HERR und Gott! Ich habe keine Erfahrung im Reden, denn ich bin noch viel zu jung!«
Doch der HERR entgegnete: »Sag nicht: Ich bin zu jung! Zu allen Menschen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen und ihnen alles verkünden, was ich dir auftrage. Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen. Darauf gebe ich, der HERR, mein Wort.«
Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte: »Ich lege dir meine Worte in den Mund und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche. Du wirst sie niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und einpflanzen!«

 

Gedanken von Pastor Ralf Altebockwinkel:

Voll ausgerüstet und berufen

„Ich bin zu jung und kann nicht reden“ sagt Jeremia – und wird einer der wortgewandtesten Gesellschaftskritiker seiner Zeit. Mächtige Könige fürchten seine Rede und gehen, wie sein Wort es prophezeit, zu Grunde. Mutlose schöpfen durch Jeremias Worte neue Hoffnung, gehen wieder aufrecht.

Wie gut, dass Jeremia auf den gehört hat, der ihn noch viel besser kannte als er sich selbst. Auf den, der ihn im Mutterleib gebildet hat, und der ganz genau wusste, was in ihm steckt.

Andererseits habe ich auch gut reden. Denn Jeremias Bedenken waren auch nicht unbegründet. Der Weg, den Jeremia gegangen ist, war geprägt von tiefsten Selbstzweifeln und Depression, von Gewalt, die er erleiden musste, von Gefahr und Not. Rückblicken war es so: Gott hat ihn beschützt, selbst in der tiefsten Not. Gleichzeitig hat Gott ihm alles abverlangt: den letzten Funken Optimismus und das letzte Körnchen Beharrlichkeit. So ist es wohl, wenn Gott uns ruft. Wir können es, wir sind nicht allein – aber es verlangt auch all unsere Kraft, auch die, von der wir jetzt noch gar nichts wissen.

Und wohin ruft Gott Sie gerade, liebe Leserin, lieber Leser? Was ist Ihre Berufung, jetzt in Ihrer Lebenssituation?

Reden? Ertragen und schweigen? Mutter sein? Vater sein? Kind sein? Lernen? Genießen? Kämpfen? Etwas gut machen? Was es auch ist – ich glaube, Sie wissen es. Und wenn nicht – haben Sie Gott schon einmal darum gebeten es Ihnen zu zeigen?

Ich finde es gibt kaum etwas Schöneres als einen Menschen zu erleben, der seiner Berufung folgt. Der im Frieden ist mit dem Weg, den er oder sie gerade geht.

Ein schlauer Mensch sagte mir einmal: „Du kannst Gottes Berufung für dein Leben daran erkennen, dass es dem entspricht, was du tief in deinem Herzen willst.“ Mal angenommen es gäbe den Faktor Angst nicht mehr, weil Gott ja dabei ist, was wollen Sie tief in ihrem Herzen?

Diese Fragen nach unserer Berufung müssen wir uns im Leben wohl immer wieder neu stellen. In jeder Lebenslage mag es etwas anderes sein, zu dem Gott uns ruft. Entscheidend ist: für alles, zu dem unser Schöpfer uns ruft, haben wir auch die Kraft, haben wir die Gaben, die wir dazu brauchen. Der Weg mag uns alles abverlangen, aber dazu sind wir geschaffen, das ist unser Leben. Amen.

 

 

Gebet

HERR, du machst die Finsternis um mich hell, du gibst mir strahlendes Licht. Mit dir, mein Gott, kann ich über Mauern springen. Was für ein Gott! Sein Handeln ist vollkommen, und was er sagt, ist durch und durch wahr. Er beschützt alle, die zu ihm flüchten. Der HERR ist Gott, und niemand sonst! Wer außer ihm ist so stark und unerschütterlich wie ein Fels? Gott allein gibt mir Kraft zum Kämpfen und ebnet mir meinen Weg.

Psalm 18,29.30b-34

 

Ich bitte für…

Gott, ich bitte dich für alle, die ich liebe. Zeige ihnen den Weg, den sie gehen können, zu dem du sie berufst und sie ausgerüstet hast.

Gott, ich bitte dich für alle, die sich verirrt haben, deren Kräfte nicht mehr reichen, die drohen zu zerbrechen. Zeige ihnen Auswege, gib ihnen Kraft und schütze sie.

Gott, ich bitte dich für diese Welt. Stärke die Menschen, die Frieden stiften. Berufe sie und lass sie niemals verzagen.

Gott, alles, was mich gerade bewegt lege ich in der Stille vor dich hin. - Persönliche Stille -

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Foto: Photo by Jukan Tateisi on Unsplash

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So. 02.08.20
Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt…
Ralf Altebockwinkel
Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt...

Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt...

 

Ein Text aus der Bibel für den 8. Sonntag nach Trinitatis
Die Heilung eines Blindgeborenen (Johannesevangelium 9,1-7)

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Gedanken von Pastor Ralf Altebockwinkel
Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt…

…solange ich in der Welt bin.“ Nun liegt der Tod Jesu schon zwei Jahrtausende zurück. Doch trotz allem Düsteren in dieser Welt, kann ich mit voller Überzeugung sagen: Nacht haben wir noch lange nicht. Ich sehe so viel Güte, so viel Licht, so viel Liebe in dieser Welt (und wie gut mir das tut, mal auf diese Seite der Welt zu schauen…)
Nein, dieser Beisatz „solange ich in der Welt bin“ bedeutet nicht, dass mit Jesu Tod das Licht ausging – sondern, dass es auf andere übergesprungen ist. „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“, sagt Jesus einen Satz zuvor – und schließt seine Anhänger und damit auch uns heute mit ein. Sofort muss ich an ein noch prominenteres Wort von Jesus denken, aus dem Matthäusevangelium: „Ihr seid das Licht der Welt.“
In der biblischen Erzählung sitzt einer am Wegesrand, blind von Geburt an. Was hat er verbrochen, dass Gott ihn so straft? Was haben seine Eltern verbrochen? So mögen fromme Menschen damals gedacht haben – doch Jesus durchbricht diese fragwürdige Religiositätslogik mit einem Satz: „Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“
Gottes Werk ist also nicht, dass er willkürlich straft, dass er für lauter Ungerechtigkeit sorgt, sondern es ist das, was Jesus tut: Jesus sieht den Blinden an – und schaut nicht weg. Er wehrt denen, die ihn verurteilen. Er dient ihm mit seiner Begabung und hilft ihm wieder sehen zu können. In alledem ist Jesus für den Blinden das Licht.
Und wie können wir Ottonormalchristen mit unserem Licht strahlen, dass Gottes Werke offenbar werden?
Ich meine, es ist schon viel getan, wenn wir wie Jesus hinsehen. Die Menschen, an denen die Werke Gottes offenbar werden sollen, die gibt es auch bei uns. Wir begegnen ihnen in der Nachbarschaft, in der Familie, wie hören von ihnen in den Nachrichten, wir wissen um sie in unserer Nähe – und oftmals zählen wir uns selbst dazu: Menschen mit Schwächen, Menschen mit Nöten, Menschen ohne Hoffnung, Menschen ohne Glauben. Was auch immer hinter diesem „mit“ oder „ohne“ steht - es ist nicht unsere erste Aufgabe Theorien aufzustellen, warum ein Mensch so ist, wie er ist. Es ist nicht unsere Aufgabe zu verurteilen, abzulehnen, auszugrenzen. Alles was wir wissen müssen, ist, dass an diesen Menschen die Werke Gottes offenbar werden sollen.
Und diese Werke Gottes – die wirkt keine unsichtbare Hand. Die wirkt jeder einzelne von uns auf seine persönliche Weise als „Licht der Welt“. Ganz im Sinn dessen, was eine spanische Mystikerin im 16. Jahrhundert wunderbar formulierte:
Christus hat keinen Körper außer deinem. Keine Hände, keine Füße auf der Erde außer deinen. Es sind deine Augen, mit denen er sieht – er leidet mit dieser Welt. Es sind deine Füße, mit denen er geht, um Gutes zu tun. Es sind deine Hände, mit denen er die Welt segnet. Christus hat jetzt keinen Körper auf der Erde außer deinem.
Teresa von Avila (1515–1582)

Gebet
Herr, du interessierst dich für mich und du kennst mich. Ob ich sitze oder aufstehe, du weißt es, du verstehst meine Gedanken. Ob ich gehe oder liege, du bist bei mir und siehst, was ich erlebe. Von allen Seiten bist du um mich herum und hältst deine Hand zum Schutz über mich. Du hast dich über mich schon gefreut, bevor ich geboren wurde, und mich, meine Augen, Ohren, Füße und Hände gebildet. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das spüre ich in meinem Herzen. Amen.
Nach Psalm 139

Ich bitte für…
Gott, ich bitte dich für alle, die ich liebe. Schenke Ihnen das Licht deiner Liebe und lass mich solch ein Licht für sie sein.
Gott, ich bitte dich für alle, die in der Dunkelheit gefangen sind und kein Licht sehen. Lass sie nicht alleine, gib ihnen neue Hoffnung.
Gott, ich bitte dich für diese Welt. Du siehst die Konflikte unter denen immer die Schwächsten am meisten leiden. Gib uns Kraft gegen den Gleichmut und die Verbitterung, und hilf uns für eine gerechte und friedvolle Welt einzutreten.
Gott, alles, was mich gerade bewegt lege ich in der Stille vor dich hin.

Persönliche Stille

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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So. 26.07.20
Du bist herzlich eingeladen
Karin Klement
Du bist herzlich eingeladen

Du bist herzlich eingeladen!

 

Text aus der Bibel für den 7. Sonntag nach  Trinitatis (26. Juli 2020)

 

Die Liebe zu denen, die euch vertraut sind, bleibe!

Die Liebe zu denen, die euch fremd sind,

- die Gastfreundschaft -, aber vergeßt nicht!

So haben manche, ohne es zu wissen,

Engel beherbergt.

Denkt an die Gefangenen,

weil auch ihr Gefangene seid oder wart.

Denkt an die Misshandelten,

weil auch ihr Verletzliche (an Körper/Geist/Seele) seid.

(Hebräerbrief 13, 1-3, aus: Zürcher Bibel)

Gedankensplitter zu Bibeltext und Bild

Neugierig schnuppert ein Eichhörnchen an der Schale; der Duft leckerer Samenkörner steigt ihm in die Nase. Es ahnt nicht, dass es dabei freundlich beobachtet wird. „Ja, nimm dir, was du magst. Lass es dir schmecken. Ich freue mich an deinem Appetit.“

Es macht Spaß, Gastgebende zu sein, wenn ein hungriger Gast sich so einladen lässt. Wir haben beide etwas davon: Ich sorge, kümmere mich, zeige, was ich kann, schaffe Raum für eine interessante Begegnung. Der/die andere darf genießen; hat ebenso Pflichten, hält sich an Regeln. Er/sie darf die angebotene Freundlichkeit nicht ausnutzen.

Maria und Martha fallen mir ein. Die eine schuftet in der Küche, findet kaum Zeit, mit dem Gast zu reden. Die andere hört neugierig zu, was der Besucher erzählt. Beides gehört zur Gastlichkeit, etwas vorzubereiten, aber dann auch das Miteinander zu genießen.

Seid gastlich!

Wie gern wären wir das in Corona-Krisenzeiten wie diesen! Viele haben keine Lust mehr auf Distanzhalten. Viele sorgen sich um Beruf und Lebensunterhalt. Viele wollen einfach nur mal wieder die alten Eltern besuchen und sie in die Arme schließen. Eine altvertraute Freundin auf die Wange küssen, jemanden neu kennenlernen und ihm/ihr die Hand reichen.

Heutige Gastfreundschaft braucht neue Formen. Mit den Ellenbogen anstoßen, Winken, Lächeln, sich verneigen, Hallo rufen …

Phantasie ist gefragt. Und Mut und Vertrauen. Neugierde – wie bei kleinen Eichhörnchen.

Seid gastlich! Mit äußerem Abstand und innerer Nähe. Seid aufmerksam euch selbst und anderen gegenüber. Dann findet ihr Wege, einander zu begegnen, Tischgemeinschaft zu bilden.

Seid gastlich!

So haben manche, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. Engel sind Botschafter Gottes. Wenn du einen Gast nicht aufnimmst, kann es sein, dass du etwas verpasst. Vielleicht ist ihm/ihr eine Botschaft Gottes versteckt.

 

Das flinke, emsige, neugierige Eichhörnchen erzählt mir von seiner quirrligen Lebensfreude. Seine kleine Gestalt erinnert mich an den Schöpfer, der selbst das Unscheinbare in ein hübsches Fell kleidet. Sein vorsichtiges, aber mutiges Vertrauen zeigt mir, dass es sich lohnt einen Schritt auf das Unbekannte hin zu wagen.

Mein Gast wird mir zum Engel, denn er lässt mich teilhaben an der großen, göttlichen Tischgemeinschaft, die ich hier als Gast auf Erden genießen darf.

 

Ich wünsche Ihnen, euch, uns allen einen gesegneten Appetit auf dieses Leben! Ihre/eure Pastorin Karin Klement

 

Gebet

Du menschenfreundlicher Gott,
du lädst uns ein an deinen Tisch. Niemand ist ausgeschlossen.
Öffne mein Herz für die Fremden.
Lade mich ein, für sie Gastgebende und Gast zu sein.
Mach mich neugierig, welche Botschaften sie mir bringen.
AMEN

 

Ich bitte dich für...
… alle, die sich so danach sehnen, eingeladen und willkommen zu sein.
… jene, die schon lange nicht mehr zu Gast sein durften wegen Corona oder weil irgendetwas nicht passte.
… die Sorgenvollen, die Verunsicherten, die in diesen Tagen nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen.
… für die Leicht-Sinnigen, die Bedenken beiseiteschieben und doch nicht wissen, ob alles richtig ist, was sie tun.
… für die Kranken und Traurigen, für die Hoffnungsfrohen und Neugierigen,
… für meine Gäste, für dich ich Verantwortung trage, bewahre uns.

In der Stille nenne ich dir die Namen derer, die mir heute

besonders am Herzen liegen:

Stille 

Vater unser …

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Kirchentürandacht 19.07.20

Biblische Worte für die Woche nach dem 18./19. Juli 2020

Als es den Israeliten schlecht ging und sie sich einsam fühlten, da brachte ihnen Jesaja die aufbauende Zusage:

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.
Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland.

 (aus: Jesaja 43, 1-3)

Als Gebet lassen wir uns mit unseren Gedanken mit hineinnehmen in das alte Dankgebet der Beterin/ des Beters des 66.  Psalm:

Jauchzet Gott, alle Lande!
Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, seine Augen schauen auf die Völker.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird;
du hast … auf unsern Rücken eine Last gelegt,
… wir sind in Feuer und Wasser geraten.
Aber du hast uns herausgeführt in die Fülle.
Amen

Ich bitte dich für...

… die Menschen, die in diesen Sommertagen die Last so sehr spüren, die ihnen auferlegt ist.
… die Menschen, die traurig und betrübt sind, weil sie Angst haben vor der Zukunft, weil sie krank oder gebrechlich sind.
… die Menschen, denen in der vergangenen Woche wehgetan wurde oder gerade jetzt ein lieber Mensch fehlt.
…  die Menschen, deren Hände müde oder verkrampft sind, weil sie sich so sehr anstrengen müssen: andere zu pflegen oder zu begleiten, unsere Zukunft in schwierigen Zeiten zu gestalten.
… die Menschen, die Nähe vermissen.
… die Menschen, die in Streit und Krieg leben, leben müssen.

In der Stille nennen wir Dir, Gott, die Namen derer, für die wir Dich heute bitten möchten: – Stille –

 

Vater unser …

 

Gedankensplitter zu Bild und Bibeltext

„Huch!“  Ich ging gedankenversunken auf dem Bürgersteig, da klopfte es neben mir. Ich schaute zur Seite und sah die kleine Sonja. Sie stand winkend hinter der Scheibe. Sie klopfte und lächelte zu mir herüber: „Hallo, Matthias!“ Betont formte ihr Mund die Worte. Ich blieb einen kleinen Moment stehen, winkte zurück – und hatte noch länger ein Lächeln auf dem Gesicht. Ja, so musste es sich anfühlen, wenn man nach kurzem Zusammenzucken erleichtert merkt, dass man gerade lieb angeschaut wird. „Fürchte dich nicht, denn ich bin es, ich… habe dich gerufen…“.

Das Winken der kleinen Sonja hat mich den ganzen Tag begleitet. So wie es nun auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, in die kommende Woche begleiten mag. Eine Geste, eine Begegnung in dieser Abstandszeit. Sie weist uns darauf hin, dass wahr bleibt, was wir einander seit Jahrtausenden im Glauben zusprechen: dass wir gerufen sind, je bei unserem eigenen Namen, mit unserem eigenen Schicksal. Bleiben wir noch kurz lächelnd sitzen – und gehen wir dann getrost weiter. Der, der uns geschaffen hat, vergisst uns nicht: nicht in Sonne, nicht im Regen. Bibelworte sind wie sein Klopfen und Winken. „Ich, ich habe dich erlöst“, so höre ich ihn lächelnd durch das himmlische Fenster rufen, „du bist doch mein!“.

 

Ihr und Euer Pastor Matthias Wilke

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Kirchentürandacht 12.7.20 - 5. Sonntag nach Trinitatis

Ein Text aus der Bibel:

Der Fischzug des Petrus (Lukasevangelium 5,1-11)
Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren.
Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Fahre hinaus, wo es tief ist!
Gedanken von Pastor Ralf Altebockwinkel
Simon Petrus hatte schon einiges erlebt mit Jesus. In seiner Heimatstadt Kapernaum hatte Jesus begonnen zu predigen, vom Reich Gottes, in einer Weise, die die  Menschen anzog und geradezu umhaute. Besessene heilte Jesus eindrucksvoll vor den Augen der Menge – auch vor den Augen des Simon Petrus. Und mehr noch: Als Simons Schwiegermutter mit hohem Fieber im Krankenbett lag, kehrte Jesus bei ihr ein, legte ihr die Hände auf und machte sie schlagartig gesund.
All das war in Simons Umfeld geschehen, es hatte ihn sicher nachdenklich gemacht. Aber erst die Erzählung oben markiert eine tiefe Veränderung bei Simon. Jesus  begegnet ihm, als er gerade seine Netze von der erfolglosen Arbeitsnacht säubert. Dann fordert Jesus ihn heraus: „Fahre hinaus, wo es tief ist!“ Jetzt? Wo es doch schon hell ist? Jeder Fischer weiß doch, dass jetzt nichts zu fangen ist. Und, wo es tief ist? Aber Fische fängt man doch im flachen Wasser – wer hat je einen reichen  Fang im tiefen Wasser des Sees gemacht? Aber Jesus will ihn in die Tiefe führen.
Jesus fordert heraus, den vertrauten, bewährten, gesicherten Pfad zu verlassen. Er fordert heraus etwas Unvernünftiges zu tun. Er fordert heraus, noch eine  Anstrengung draufzusetzen – obwohl die Nacht schon so kräftezehrend war und das Bett ruft. Er fordert das letzte Körnchen Kraft.
Simon lässt sich drauf ein und es wird der Fischzug seines Lebens. Die Netze zum Bersten gefüllt, die Boote vor dem Gewicht der Fische fast am Sinken. Jesus hat ihn in  die Tiefe geführt – aber nicht nur in die Tiefe des Wassers. Jesus hat ihn in die Tiefe seiner selbst und seiner Beziehung zu Gott geführt.
Denn auf einmal erkennt Simon, wer ihm da gegenübersteht – und wer er selbst ist. Simon Petrus fällt vor Jesus auf die Knie, was ein Jude sonst nur vor dem  Schöpfergott tun würde. Er redet Jesus mit „Herr“ an, dem Gottesnamen in der griechischen Bibel. Und er erkennt, wer er selbst ist: ein Mensch in der Gottesferne,  verfangen in Selbstbezogenheit und Ungerechtigkeit – „Ich bin ein sündiger Mensch!“. Er merkt, dass sein Wissen brüchig, sein vertrauter, bewährter, gesicherter Pfad  nicht automatisch der richtige ist. Er bekommt einen Schrecken, denn er sieht, wie klein er, der Fischexperte ist – im Vergleich zu dem, der die Fische geschaffen hat.  Doch der sagt: „Fürchte dich nicht!“
Dieses Erlebnis setzt Simon auf null. Sein ganzes Leben beginnt neu – er bleibt zwar Fischer, ist von nun an aber ein „Menschenfischer“ – ein Jünger und Apostel, der  Jesu Botschaft in die Welt trägt.
Was für ein Unterschied. Auf der einen Seite: Von Jesus gehört zu haben, seine Worte zu kennen, in der nahen Verwandtschaft Menschen zu kennen, die  beeindruckende Erfahrungen mit ihm gemacht haben. Auf der anderen Seite: Jesus persönlich zu begegnen, auf ihn zu hören und auf seinen Ruf hin das Vertraute zu  verlassen. In die Tiefe gehen – mich selbst und Gott entdecken. Wunder erleben. Neuen Sinn finden. Herr, sende mich hinaus, wo es tief ist.
Amen

Gebet
Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen!
Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den Herrn
mehr als die Wächter auf den Morgen.
(Psalm 130,1-2; 5-6)

Ich bitte für…
Gott, ich bitte dich für alle, die ich liebe. Lass sie erkennen, was sie im Innersten glücklich und zufrieden macht und führe sie dorthin.
Gott, ich bitte dich für alle, für die es mir schwer fällt zu bitten. Schenke mir Liebe, Geduld und Verständnis aber auch Klarheit, Standhaftigkeit und Haltung.
Gott, ich bitte dich. Du siehst meine vertrauten, bewährten und gesicherten Pfade und meine Angst sie zu verlassen. Gib mir Mut und führe mich dahin, wo ich Tiefe finde.

Persönliche Stille

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

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Kirchentürandacht 05.07.2020 - 4. Sonntag nach Trinitatis

Ein Text aus der Bibel
Lukas 6,36-43

Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist! Urteilt nicht über andere, dann wird Gott euch auch nicht verurteilen! Richtet keinen Menschen, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden!
Wenn ihr vergebt, dann wird auch euch vergeben. Gebt, was ihr habt, dann werdet ihr so überreich beschenkt werden, dass  ihr gar nicht alles aufnehmen könnt. Mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, wird man auch euch messen.“
Jesus gebrauchte einen Vergleich und sagte: „Wie kann ein Blinder einen anderen Blinden führen? Werden sie nicht beide in die Grube fallen? Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer. Im besten Fall kann er werden wie sein Lehrer, wenn er alles von ihm gelernt hat.
Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?
Wie kannst du zu ihm sagen: ›Mein Freund, komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!‹, und dabei erkennst du nicht, dass du selbst einen Balken in deinem Auge hast! Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Mitmenschen zu ziehen.“

Fürbitten
Barmherziger Gott,
wir sind geschaffen als deine Kinder, das verbindet uns.
Wir alle gehen auf dieser Erde einen unterschiedlichen Weg mit dir. Ich bitte heute besonders für alle, die gerade einen schweren Lebensweg gehen müssen.
Sei du bei diesen Menschen. Zeig mir, wo Menschen in meinem Umfeld sind, denen ich beistehen kann.
Zu schnell habe ich häufig Vorurteile gegenüber anderen Menschen, obwohl ich ihren Lebensweg gar nicht kenne.
Daher bitte ich dich: hilf mir dabei, jeden Menschen so zu sehen, wie du es tust: als dein geliebtes Kind.
Amen.

Darf ich einmal bitte Ihre Schuhe anziehen?
Unser Herr Jesus Christus ermutigt uns mit seinen Worten aus dem Lukasevangelium, barmherzig miteinander umzugehen. Häufig erleben wir einen Menschen nur in bestimmten Situationen. Trotzdem sehen wir uns oft in der Lage, ein umfassendes Urteil über diesen Menschen geben zu können. Dabei wissen wir gar nicht, welchen Lebensweg dieser Menschen gegangen ist und was ihn oder sie geprägt hat.
Wenn wir mal wieder Gefahr laufen, über einen Menschen zu urteilen, können folgende Sätze hilfreich sein:

"Bevor du urteilen willst über mich oder mein Leben, ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg. Durchlaufe die Straßen, Berge und Täler, fühle die Trauer, erlebe den Schmerz und die Freude, die ich erlebt habe."

Vielleicht würden wir uns genauso verhalten wie unsere Nachbarin, unser Arbeitskollege oder unsere Klassenkameradin, wenn wir denselben Lebensweg hätten gehen müssen.
Lassen Sie uns daher barmherzig miteinander umgehen.
Gott segne und behütet Sie auf Ihrem Lebensweg!
Ihr Pastor Florian Hemme

 

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Kirchentürandacht 28.06.2020 - 3. Sonntag nach Trinitatis

Ein Text aus der Bibel
Jesus erzählte einmal folgendes Gleichnis:
»Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ …
»Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat?…
Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt.«
Jesus fuhr fort: »Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte zu ihm: ›Vater, gib mir den Anteil am Erbe, der mir zusteht!‹ Da teilte der Vater das Vermögen unter die beiden auf. Wenige Tage später hatte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft und zog mit dem Erlös in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch…
(aus: Evangelium nach Lukas, Kapitel 15 nach der Neuen Genfer Übersetzung)

Gebet
Du Gott meines Lebens,
du suchst mich. Denke ich zurück, so fällt mir manche Situation ein, in der ich mich von Dir gefunden gefühlt habe; Situationen auch, in denen andere mir geholfen haben, dass ich zu dir zurückkommen konnte. Habe Dank!
Und ich bitte dich: Hilf mir, hilf uns allen hindurch durch diese Zeit. Lass uns das Unbeschwerte und Schöne neu finden. Öffne uns die Augen, die Ohren, für das, was wirklich zählt. Amen

Ich bitte dich für...
… die Menschen, die sich an diesem Wochenende verloren und einsam fühlen, die Nähe vermissen.
… die Menschen, die Angst haben.
… die Menschen, die krank oder gebrechlich sind.
…  die Menschen, deren Arme und Beine müde oder verkrampft sind, weil sie sich so sehr anstrengen müssen: andere zu pflegen oder zu begleiten, unsere Zukunft in schwierigen Zeiten zu gestalten.
… die Menschen, die in Streit und Krieg leben, leben müssen.
… die Menschen, die sich für Frieden stark machen.

In der Stille nenne ich Dir, Gott, die Namen derer, für die ich Dich heute besonders bitten möchten: – Stille –

Vater unser …

 

Gedankensplitter zu Bild und Bibeltext

So sah er ihn liegen. Er, nennen wir ihn Jojo. Ihn, den kleinen Teddy. Eigentlich war Jojo schon viel zu alt für einen Teddy und eigentlich hatte er auch gerade ganz anderes im Kopf. Jojo gab gerade alles und spielte wild und unglaublich gut. Er war mitten im Fußballspiel, dort auf der Wiese – und im Fußball war er, der Junge von 8 Jahren, schon große Klasse!

Aber irgendwie verfing sich sein Blick auf der nahen Brücke und ließ ihn stutzen. Da lag der kleine Teddy. Und obwohl die anderen Jungs riefen: „Mensch, Jojo, mach mal hinne – oder willst du da Wurzeln schlagen? Wirf endlich ein!“. Trotzdem er also echt Cooleres zu tun hatte, als auf den Teddy zu achten, ließ Jojo den Ball links liegen und rannte auf die Brücke, nahm den Teddy am Arm hoch und setzte ihn vorsichtig und sicher aufs Geländer. „So, nun werden sie dich wiederfinden, bestimmt!“, sagte er leise, um sich dann ganz schnell umzudrehen, zurückzulaufen zu seinen Kumpels, den Ball einzuwerfen und weiter wild zu spielen. Innerlich aber freute er sich sehr, den Teddy getroffen zu haben.

„Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes…“. Sie freuen sich über jeden, der wiedergefunden wird – und bestimmt auch über den, der dem anderen hochhilft, damit er leichter wiedergefunden wird: es sei ein Schaf, ein Groschen, ein Teddy oder ein lange schon nicht mehr da gewesener Sohn.

Ihr und Euer Pastor Matthias Wilke

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Kirchentürandacht für den 2. Sonntag nach…
Ralf Altebockwinkel
Kirchentürandacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis

Kirchentürandacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis

Ein Text aus der Bibel
Jesus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Matthäusevangelium 11, 28-30

 

Ruhe für eure Seelen
Gedanken von Pastor Ralf Altebockwinkel

Die Corona Zeit hat uns eine völlig ungewöhnliche Erfahrung beschert. Wir sind es gewohnt, dass Supermärkte, Bekleidungsläden, und überhaupt alle, die ein Produkt loswerden wollen uns zurufen: „Kommt her zu uns! Gebt bei uns euer Geld aus! Schnäppchen, Schnäppchen ohne Ende!“
Und dann kam das: Schilder vor Geschäften sagen uns: „Wegen Corona geschlossen“, „Bitte keine Kinder“, „Nur 10 Leute auf einmal“. Aus heißbegehrten Kunden wurden wir über Nacht zu Gefahren: jeder ist ein potenzieller Virenüberträger. Statt „Kommt her“ war die Botschaft der letzten Wochen: „Bleibt zu Hause“.
Langsam gibt es nun Gott sei Dank ein Aufatmen. Und auch die Botschaften, die die Politik und die Wirtschaft an uns richten verändern sich. Sie kehren sich geradezu um: Mehrwertsteuer-reduzierung, E-Auto Kaufprämie, 300 Euro pro Kind, und vieles weiteres. Auf einmal sind wir wieder gefragt. Wir sollen wieder kommen, wieder konsumieren, wieder all unsere Bedürfnisse stillen – ganz besonders die teuren. Die Anreize sind groß, wir sollen, politisch verordnet, zum Konsum verführt werden. „Ein guter Patriot kauft jetzt ein“, ist die Parole der Stunde.
Ich frage mich nur: seit wann ist denn überschwänglicher Konsum in irgendeiner Weise heilsam und gut? Für die Wirtschaft vielleicht, aber was ist mit der Umwelt? Und vor allem: wird der einzelne dadurch wirklich glücklicher werden? Wird das, was in dieser Isolationszeit bei manchen aufgebrochen ist an Wut, an Traurigkeit, an Leid und Last wirklich durch Konsum geheilt werden können?
Vielleicht ist es gut, dass in dieser Zeit, wo die Wirtschaft sich wieder nach unseren konsumanfälligen Seelen ausstreckt, auch noch ein anderer zu Wort kommt. Im Bibeltext für diesen Sonntag ruft uns Jesus zu: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“
Ruhe für unsere Seelen finden wir nicht im Konsum. Ruhe finden wir bei Jesus, wenn wir zu ihm kommen. Wenn wir uns mit ihm beschäftigen, erforschen, was in der Bibel von ihm berichtet wird. Wenn wir uns im Gebet an ihn wenden. Wenn wir uns von ihm prägen und von seinem Geist der Liebe anstecken lassen. Bei ihm werden wir erquickt, bei ihm finden wir Hilfe, um die Lasten und Mühen unseres Lebens anzunehmen und zu tragen. Er kann unsere aufgebrochenen Wunden heilen.
Brauchen wir all das nicht viel mehr als ein neues Auto?

 

Gebet
Gott,
du hast mich geschaffen zu Dir hin
und unruhig ist unser Herz
bis es ruht in Dir.
Amen

Augustinus (354-430 n.Chr.)

 

Ich bitte für…
Gott, ich bitte dich für alle…
            die in dieser Zeit seelisch leiden
            die in dieser Zeit krank geworden sind
            die in dieser Zeit finanzielle Schwierigkeiten haben
            die in dieser Zeit von Sorgen geplagt werden.

Erbarme dich, schenke ihnen Ruhe für ihre Seelen.

Gott, ich denke an alle die ich liebe, die ich vermisse
und auch an alle, mit denen ich im Streit bin.

Erbarme dich, schenke ihnen Ruhe für ihre Seelen.

Gott, ich bringe dir, was mich bewegt.

Erbarme dich, schenke mir Ruhe für meine Seele.

Amen.

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Do. 04.06.20
Etwas Besseres als ...
Dr. Matthias Wilke
Etwas Besseres als ...

„Ich danke dir dafür, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“
(Psalm 139, 14)

Ich lese diese alten, schon so oft von so vielen Generationen durchbeteten Zeilen – und schau auf die Uhr, auf das kleine Feld rechts. Jetzt gerade haben wir Anfang Mai 2020. Langsam werden die Kontaktbeschränkungen der vergangenen Wochen gelockert. Wir dürfen uns wieder treffen – zum Gebet. „Ich danke dir dafür, Gott, dass ich... wir... meine Seele erkennt...“.

Psalm 139 steht als biblische Losung über dem Monat August. Jetzt haben wir Mai – was wird im August sein? Hoffentlich… Doch heute will ich mich nicht voraussehnen,
sondern möchte bremsen, denken und bremsen, weil ich gestolpert bin über dieses: „… dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke.“

Auch das habe ich in den vergangenen sieben Wochen gemerkt: Wie sehr ich Teil bin in Gemeinschaft mit den anderen: Teil der Gesellschaft, der Natur – und eben nicht nur „meines Glückes Schmied“ oder so. Und ich habe auch gemerkt: wie schwer es mir fällt, das Wunderbare an mir als Teil des Ganzen zu sehen. Und beim Blick auf meine Finger nicht nur zu murmeln: „Mann, so geht das nicht weiter, das dauernde Waschen, sie werden rissig“, sondern so etwas zu denken wie: „Ich danke dir dafür, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Wunderbar – mit rissiger Haut?

War ja viel stiller in den vergangenen Wochen, so dass man für so komische Gedanken mit Blick auf die eigenen Hände auch mal Zeit hatte. War viel weniger Geplauder als ich es sonst schätze und kenne. Was wir sonst bei der Arbeit haben: eine Kollegin, ein Kollege stapft vorbei und bremst und wir geben uns die Hand und plaudern kurz über… egal, aber tut gut. Oder beim täglichen Einkaufen: Ich brauch´ vielleicht gar nicht viel, aber es ist fein, andere zu begrüßen.

Es ist gar nicht so einfach, beim Blick auf das eigene Greifwerkzeug ins Jubilieren zu geraten. Wie anders aber ist es, wenn ich mir bewusst werde, was mir meine Hand sonst ermöglicht: zu grüßen, zu fühlen, zu arbeiten: „Ich danke dir dafür, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin... das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139, 14)

Was für unsere Hände gilt, gilt für uns als ganzer Mensch. Ich hatte in den letzten Wochen auch Zeit, durch Stellichte zur Obermühle zu fahren und später dann am „Lintelner Krug“ vorbei. Da fielen sie mir ins Auge, die vier, die mit sich und ihrem Leben so traurig waren und sich weit weg träumten. Sie waren nicht alle als begnadete Sänger geboren. Mussten mit Händen und Füßen echt hart arbeiten. Bis andere sagten, dass man sie nun „freistelle“ von der Arbeit. Da fühlten sie sich wertlos, als ihre Pfoten nicht mehr gebraucht wurden. Sie alle sangen gerne – und was noch entscheidender ist: als sie sich gefunden hatten, da ergänzten sie sich so fein, dass sie zusammen das Leben neu fanden. „Wunderbar sind deine Werke, Gott!“

Wir brauchen einander, so anstrengend wir füreinander auch sind. Beides können wir nach den letzten Monaten wohl gut nachvollziehen, denke ich. Wir brauchen einander, um zu spüren, dass wir je für uns eigenartig feine Menschen sind. Es ist kein Zufall, dass der Beter des 139. Psalm erst auf sich und dann um sich  herumschaut, um schließlich bei der eigenen Seele Ruhe zu finden. Er oder sie hat es erfahren – und die Bremer Stadtmusikanten haben es je für sich wohl auch
gemerkt, spätestens beim Räuberhaus in Horst: „Ich danke dir dafür, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind [alle] deine Werke; [ich bin Leben inmitten von Leben, wunderbar!] das erkennt meine Seele“ (Psalm 139, 14).

Ihr und Euer Pastor Matthias Wilke

 

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Was Ostern aus uns macht
Ralf Altebockwinkel
Was Ostern aus uns macht

Was Ostern aus uns macht

„Aber wir haben doch gar nicht Ostern“, protestiert die junge Dame aus der Familienkirche. Stimmt. Ostern ist noch lange nicht, und trotzdem: Diese große Kerze heißt nun mal so: „Osterkerze“. Und die brennt nicht nur an Ostern, sondern das ganze Jahr über, immer wenn wir Gottesdienst feiern.

Als Jugendlicher hatte mich schonmal ähnliche Verwunderung ergriffen, als ich eine Woche in der französischen Kommunität Taizé verbrachte. „Hier feiern wir jeden Sonntag Ostern“, erzählte uns einer der Brüder fröhlich – und in der Tat: jeden Sonntag feiern die Menschen in Taizé die Auferstehung Jesu mit Kerzen, die mit dem Feuer der Osterkerze nach und nach entzündet werden und dann die ganze Kirche mit Wärme und Licht erfüllen.

Wer genau hinschaut, der sieht auch bei uns, was in Taizé offensichtlich ist: Ostern begleitet uns Christen das ganze Jahr über. Immer wieder gibt es kleine Erinnerungen daran: neben der Osterkerze auch das „Auferstehung der Toten“ im Glaubensbekenntnis oder der österliche Halleluja Gesang nach den Lesungen. All diese Ostererinnerungen haben ein Ziel: Ostern soll uns auch innerlich, an jedem Tag des Jahres, ein treuer Begleiter werden. Ostern ist viel mehr als nur ein weiterer Feiertag im Kalender: Es hat die Kraft, unser Leben zu verändern.

Die Frage unseres aktuellen Gemeindebriefs lautet: „Was macht Ostern aus?“ Ich möchte diese Frage noch um ein Wörtchen erweitern: „Was macht Ostern aus uns?“ Ostern will aus uns österliche Menschen machen! Menschen, die auch bei Rückschlägen einen Halt haben, weil sie an Auferstehung glauben – am Ende des Lebens und schon mitten drin. Die voller Gewissheit sagen können: so wie auf Karfreitag Ostersonntag folgt, so folgt auf den Tod die Auferstehung, auf das Scheitern das Gelingen, auf Trauer Freude – und auf schwarz-weiß folgt bunt.

Du sagst: „Meine Situation wird sich eh nicht verändern.“ – Ostern spricht dir zu: „Es gibt Dinge, die du ändern kannst, denn Gott ist bei dir!“ Du sagst: „Mit diesem  Menschen werde ich immer in Feindschaft sein.“ – Ostern spricht dir zu: „Gott hat dir vergeben – vergib doch auch du!“ Du sagst: „Gefangen in meiner Trauer werde ich keine Freude mehr haben.“ – Ostern spricht dir zu: „Wir haben einen Gott, der die Tränen trocknet und die Gefangenen befreit!“

Möge Ostern aus uns Menschen machen, die entgegen allem Dunklen hoffen und vertrauen. Zu österlichen Menschen, die sich nicht nur am Osterfest an der Auferstehung Jesu freuen, sondern deren ganzes Leben getragen ist von der Hoffnung auf Auferstehung.

Pastor Ralf Altebockwinkel

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So. 01.12.19
AN(GE)DACHT
Karin Klement
AN(GE)DACHT

Tragt in die Welt nun ein Licht …
Sagt allen: Fürchtet euch nicht!
Gott hat euch lieb, Groß und Klein.
Seht auf des Lichtes Schein!

Ein Kinderlied mit Pustebackenidylle, arglos, harmlos – uninteressant??

Die Teelichter leuchten zwar hell, aber nicht so gleißend wie der Bildschirm. Ich schalte den Computer aus; sein Licht verschwindet, hinterlässt eine dunkle Oberfläche. Nach einer Weile entspannen sich meine Augen. Endlich bin ich allein in meinem Arbeitszimmer – bis auf den Pustebacken-Engel in meiner Erinnerung. Lichterschein und  blitzende Aufmerksamkeit verschmelzen zu ruhigen Gedanken. Weihnachten rückt näher; ein Lichterfest, das nicht ohne Dunkelheit zu haben ist. Ende November gedenken
wir der Toten in unseren Gemeinden. So viel Traurigkeit über das verlorene Leben, so viel Schmerz. Verkriechen möchte man sich, den glitzernden Vorankündigungen einer fröhlichen Weihnachtszeit in Schaufenstern und Straßen entgehen. Woher soll die Freude jetzt kommen?

Sagt allen: Fürchtet euch nicht! Gleich pustet der kleine Engel die Lichter aus, so furchtlos wendet er sich der heißen Flamme zu. Oder genießt er die Wärme, die davon ausstrahlt? Nimmt er das Licht in sich auf, das mitten in der Dunkelheit erschien? Wäre er ein lebendiger Mensch, wüsste er, wie schnell ein Lebenslicht verlöschen kann. Er müsste die Dunkelheit nicht nur aushalten, sondern sich darin orientieren. Das Leben meistern; irgendwie. Auch zu Weihnachten, während andere fröhlich feiern. Ich schaue genauer hin. Das Licht, das ihm leuchtet, hat jemand zuvor in seinen Händen getragen; es selbst angezündet. Nun strahlt es den kleinen Engel an, lässt ihn baden in einem Meer aus Licht. Geht das so? Die dunkle Traurigkeit überwinden, indem man selbst ein Licht entzündet? Aus der eigenen Seele heraus, aus dem persönlichen Glauben? Trotz aller inneren Verletzungen, gegen alle Zweifel-Attacken?

Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die da saßen am Ort und im Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen. Schreibt der Evangelist Matthäus (4,16). Leuchtstreifen der Hoffnung sendet er seinen Leuten allein mit Worten. Aber diese erstrahlen. Und die Menschen öffnen ihre Herzen, lassen einen ersten Schimmer darin aufglühen. Kann es so einfach gehen?

Das Licht der Freundlichkeit Gottes wahrnehmen und festhalten. Und davon weitergeben.

Tragt in die Welt nun ein Licht …
Nehmt wahr, welche Kraft, Wärme und Liebe in euch leuchtet!
Und lasst sie ausströmen wie ein Licht.
Gott hat euch lieb, Groß und Klein.
Seht auf des Lichtes Schein!

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Do. 29.08.19
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Ralf Altebockwinkel
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Nur eine alte Geschichte?

Es ist im April 1945 geschehen, in der Schlussphase des Krieges, in der die britische Armee auch Brockel erreicht hatte. Im kirchlichen Abkündigungsbuch dieser Zeit ist von der akuten Luftgefahr zu lesen und dass ein Gottesdienst ausfiel.
Nichts zu lesen in unseren Kirchenakten ist von der Tragödie am Bahnhof, 2 km von der Kirche entfernt. Neben wenigen Dokumenten aus dem Kreisarchiv Rotenburg gab es dazu fast nur mündliche Quellen – vielleicht gibt es sie auch noch? Hintergrund ist, dass es in den letzten Kriegstagen aus Angst vor den heranrückenden  Alliierten zu etlichen KZ-Häftlingstransporten mit dem Zug kam. Wegen der Kriegshandlungen musste einer dieser Güterwagons, vermutlich für einen Tag, am Brockeler
Bahnhof Halt machen. Die Häftlinge waren in furchtbarer Verfassung. Ein deutsches Kommando – waren es Soldaten des Häftlingszuges oder auch Brockeler Bürger vom sogenannten Volkssturm? – bewachte die Wagons. Immerhin gibt es bei allem Elend auch Geschichten, wie jemand versuchte ihnen etwas zu essen und zu trinken zu bringen, daran allerdings von den Soldaten gehindert wurde. Die Schreie der Gefangenen sollen nach einer Erzählung bis ins Dorf zu hören gewesen sein.
Als der Zug schließlich weiterfuhr, wurden viele Verstorbene aus dem Zug in einem Massengrab am Bahnhof verscharrt. Vermutlich handelte es sich dabei um an Erschöpfung und Krankheit Verstorbene, vielleicht auch um Menschen, die gezielt erschossen wurden. Die Toten und das Grab wurden vom kirchlichen Würdenträger offenbar ignoriert – in unseren Büchern ist nichts zu finden. Auch andere begannen früh, das Geschehene zu verdrängen. Es ist überliefert, dass die Grabstätte nur
ein Jahr später als Ackerfläche genutzt wurde, was die britische Militärregierung, als sie davon erfuhr, strikt untersagte. Später wurden die Toten nach einem Beschluss des Brockeler Gemeinderates im Jahr 1964 exhumiert und auf die Kriegsgräberstätte Sandbostel umgebettet. Überliefert ist das durch und durch zynische Umbettungs-Argument, dass „es sich bei den beerdigten Personen um KZ-Häftlinge handelte“. Mir scheint die Umbettung in erster Linie der Verdrängung gedient zu haben. Immerhin brachte das die wahre Anzahl der Toten zum Vorschein: 41, doppelt so viele wie man anfangs vermutet hatte. Man weiß leider noch kaum etwas über ihre Identität.  Vermutlich waren darunter Polen und Juden.
Für mich ist diese Geschichte ein Beispiel dafür, wie die menschenverachtende Politik der Nazis – die von der Mehrheit der Menschen in Deutschland und auch in unserer Region begeistert mitgetragen wurde – am Ende vor der eigenen Haustür ankam. Nun steht die Jahresuhr in der Tat nicht still. 74 Jahre sind schon vergangen und die meisten direkt Beteiligten bereits verstorben. Es geht mir nicht darum, mit dem Finger auf bestimmte Leute zu zeigen – das wäre erstens zu spät und zweitens würde es nur davon ablenken, dass diese alte Geschichte gerade uns Nachgeborenen etwas Wichtiges zu sagen hat. Denn auch wir Heutigen, da habe ich keine Illusionen, können einer Politik auf den Leim gehen, die ähnlich faule Früchte hervorbringen würde.

In der Jahreslosung heißt es: „Suche Frieden und jage ihm nach!“. Frieden ist nicht selbstverständlich, wir müssen ihn immer wieder neu suchen und ihm nachjagen, um ihn festzuhalten. Die Erinnerung an eine so abgründige Geschichte aus unserer Region stellt für mich einen wichtigen Baustein dar, dass auch zukünftige Generationen mit voller Überzeugung sagen: „Dort wollen wir nie wieder hin!“ Vielleicht wäre eine Gedenktafel an der Kirche ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Pastor Ralf Altebockwinkel

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Dr. Matthias Wilke
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"Gut gebrüllt, Löwe!" "Gut geschienen, Mond!"

An einem Sommermorgen: Vor sich hin schlurfend kam er aus der Arztpraxis, ganz in Gedanken vertieft. Man sah ihn aus der Haustür kommend rechts auf den Bürgersteig einbiegen und dann am Kindergarten vorbei in die Richtung des Bushaltestellenhäuschens gehen. Er sah nicht nach rechts. Er sah nicht nach links. Gebückt schlurfte er vor sich hin, als ihm das kleine Mädchen mit dem Fahrrad in die Hacken fuhr. „Aua!“ schrie er auf, drehte sich - und sah in ein ängstlich lächelndes Gesicht. Ganz aufrecht stand er auf einmal da und hörte eine leise Stimme: „Tschuldigung! Sie haben den Zettel hier verloren.“ Und das Mädchen reichte ihm den Einkaufszettel, der ihm aus der Tasche geglitten war. „Gut gebrüllt, Löwe“, sagte er später zu sich selbst. Denn durch den Schreck und den Ärger hatte
er seine Kraft wiedergefunden, war herausgerissen worden aus seiner Gedankenversunkenheit, ging mit wachem Blick über die Straße und in den Supermarkt.

An einem Sommerabend: Eigentlich viel zu müde für alles kam sie nach Hause. Es war schon spät. Was sie nicht alles an Gedanken angesammelt hatte: bei der Arbeit, im Telefonat mit ihrer Freundin, ihrem Mann, da irgendwo auf Geschäftsreise, weshalb der Urlaub ja auch ausgefallen war. Sie schlich in den Garten, eigentlich viel zu müde, um noch draußen zu bleiben. Aber: Sommerabend. Nur für einen Moment setzte sie sich auf den Gartenstuhl, mehr aus Versehen als geplant. Da erkannte sie ihn: da am Himmel war ja der Mond. Den hatte sie auf ihrem Heimweg bisher total ignoriert, so sehr waren ihre Gedanken mit sich selbst beschäftigt gewesen. Doch jetzt schaute sie hin: Er war hell, der fast volle Mond, und ein wenig hatte er einen rötlichen Schimmer. „Bisschen kitschig“, dachte sie – und doch: hell und ruhig. Blick für Blick entdeckte sie mehr: eine Fledermaus, Flugzeugstreifen am Himmel und als sie sich runterbeugte, um ihren arbeitsschweren Füßen Schuhfreiheit zu geben, da wurde ihr klar, dass das, was dem Gras sein Mondglitzern gab, die leichte Feuchtigkeit war, die der Abend  brachte. Fast 20 Minuten saß sie so da – und hätte sie wer gesehen, er hätte sie lächeln sehen. „Gut geschienen, Mond“, dachte sie voll Freude und erinnerte sich an ein altes Buch, in dem das stand. Denn durch sein Licht, hatte sie ihre Neugier wiedergefunden. Für einen Moment war die Alltagsmüdigkeit wie weg und sie
wieder neugierig auf das Leben – und ging mit Schwung zu Bett.

In einer Sommernacht: „Wir werden, fürchte ich, in den Morgen schlafen, soweit wir in die Nacht gewacht“. Leise wiederholte er für sich die Worte, die er gerade gelesen hatte, und dachte kurz nach, bevor er weiterlas. Noch ca. fünf Absätze las er, dann schloss er das Buch und löschte die Leseleuchte. Fertig, fein!
Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ – mit all seinen schönen Worten. Es war schon nach 24.00 Uhr, doch er fühlte sich einfach wohl. Das Buch rief so viele Erinnerungen, Gedanken und Bilder in ihm wach – wie ein kleiner Urlaub. Er ging ins Haus. Als er ins Schlafzimmer trat, stupste er sacht seine Frau an, die schon seit einer Weile schlief, und sagte leise zu ihr: „Schlaf morgen ruhig mal aus. Ich mache mit den Kindern eine Morgenwanderung und dann, so um 10.00 Uhr, frühstücken wir alle zusammen im Garten.“ Und im Mondlicht, das ins Schlafzimmer fiel, sah er, dass sie lächelte – und dachte zufrieden: „Gut geflüstert, Löwe“.
„Freundliche Reden sind Honigseim“, lese ich in der Losung für den Monat Juni, im Buch der Sprüche Salomos, im 16. Kapitel, denn sie sind „süß für die Seele und heilsam für die Glieder“.

Matthias Wilke
 

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AN(GE)DACHT - Aufbruchstimmung
Karin Klement
AN(GE)DACHT - Aufbruchstimmung

„Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen; das Land ist hell und weit.“
(EVANGELISCHES GESANGBUCH 395,3)

Leichtherzig trällert dieses Lied durch meinen Sinn. Anregend, damit ich mich mit schwungvollen Schritten aufmache, lustvoll losgehe, neu durchstarte – und das Vergangene hinter mir lasse. Aber ich habe keine Lust. Ich sitze lieber bequem auf meinem Platz, lass mich treiben in mehr oder weniger bekannten Kreisen.
Alltäglich fliegen mir so viele Anforderungen, Herausforderungen um die Ohren, dass ich heilfroh bin, wenn ich den vertrauten Boden unter meinen Füßen nicht verliere. Ich muss jetzt nicht zu neuen Ufern aufbrechen. Nein, danke...
Ist diese Einstellung altersbedingt?? Andererseits, Abraham war auch nicht mehr der Jüngste, als er Gottes Aufruf folgte und mit seiner ganzen Familie in ein fernes, fremdes Land zog, um neu anzufangen. Okay, ein anderer Auf-Brecher, Noah, stand mitten im Leben, auf dem Gipfel seiner Leistungsfähigkeit, als Gott ihn in die Arche steckte zusammen mit jenen, die den Erdboden neu bevölkern sollten.
Alles freiwillig, klug und planvoll vorbereitet. Keine Hektik, kein Stress, keine Überraschungsmomente. Ja, darauf könnte ich mich einlassen. Alles gut sortiert, das  Notwendige in die Tasche gepackt; Karte, Kompass, Richtungsweiser vor Augen. Aufbrechen wie eine gut einstudierte Wanderung mit vorgeplantem Ziel, stets mit dem Gefühl, jederzeit wieder in die altvertrauten Gleise zurückkehren zu können.
Aber, ist das ein echter Aufbruch? Wo bleibt die Risikofreude, die gespannte Erwartung auf Unbekanntes, die Entlastung von „alten Zöpfen“? Bin ich zu behäbig  geworden? Matt und müde von sich wiederholenden Erfahrungen? Satt und zufrieden mit dem just Vorhandenen? Gefesselt an den stets gleichen, angenehmen Trott? Wo bleibt meine Neugierde, der Blick in die offene Weite? Jene erfrischende Leichtigkeit für einen freien Flug meiner Gedanken?
Ist mir das Vertrauen in ein Neuwerden abhandengekommen?

„Vertraut den neuen Wegen … wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.“ (EG 395,2)
Von meiner Insel aus schaue ich in die Weite des Atlantiks. Sonnenlicht strömt über das Meer, Wolken lassen sich vom Wind treiben; der Himmel bricht auf. Gottes Regenbogen verheißt: Ich bin bei dir!
Ich habe einen Auftrag für mein Leben: Segen zu sein! So, wie Abraham, Noah und all die anderen Menschen, die sich ansprechen lassen. Nicht behäbig auf meinem Sofa zu hängen, vielmehr neue Teile der Erde zu entdecken; mich von ihrer Schönheit berühren, umfangen zu lassen. Aufzubrechen, Kontakte zu suchen mit denen, die mit mir auf dem Wege sind. Neugierig zu bleiben. GOTT will, dass wir gemeinsam ein Segen für seine Erde sind! SEIN Auftrag und Segen zugleich.

Ihre Karin Klement, Pastorin

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Karin Klement

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Di. 04.12.18
AN(GE)DACHT - Vorfreude
Alexandra Drewes
AN(GE)DACHT - Vorfreude

Freuen Sie sich auf Weihnachten? Im Advent sind vier Wochen Zeit, sich auf das Fest zu freuen. Werden sie dazu genutzt? Bei sehr vielen scheint das Freudenziel Weihnachten nur nach anhaltend stressigen Vorbereitungen erreicht zu werden. Wenn man sich dann freuen soll, hat man schon keine Kraft mehr dafür. Und Advent, ist das noch Vorfreude oder bereits schon Erfüllung? Es gibt doch schon vieles, was eigentlich Weihnachten ausmacht, jedenfalls das Materielle. Es scheint so, als  ob wir uns auf etwas nicht mehr freuen können, wenn wir darauf warten müssen. Warten ist nicht mehr in. Advent war ja auch einmal eine Zeit des Fastens. Für uns  heute eine seltsame Vorstellung, sich mit Entsagung auf Weihnachten freuen, wo es doch so leckere Plätzchen gibt und vorgezogene Weihnachtsfeiern. Man übt sich mit allerlei Genuss doch schon ordentlich in die Weihnachtsfreude ein. Und stattdessen: Nichts von alldem?

Nun besteht Weihnachten nicht nur aus Festessen und vielleicht einem obligatorischen Gottesdienstbesuch. Denn das Eigentliche zu Weihnachten – jedenfalls aus christlicher Sicht – Jesu Geburt, freuen wir uns darauf? Ehrlich! Und wenn ja, was bedeutet uns diese Geburt? Die Menschwerdung Gottes. Vielleicht haben manche damit kein Problem, für andere ist die Aussage in ihrer Bedeutung kaum voll zu erfassen. Schön, wenn wir uns auf Jesu Geburt freuen können, da gibt es kein Risiko. Denn die Nachricht ist jedes Jahr gleich und für einige auch neu.

Anders ergeht es uns oft, wenn uns ein Ereignis bevorsteht – ein neuer Job z.B. oder die neue Wohnung oder der ersehnte Ruhestand. Und dann: An der  Arbeitsstelle gibt es eine Kollegin, mit der nicht auszukommen ist. Der Nachbar in der neuen Wohnung hat den Fernseher grundsätzlich auf Überlautstärke laufen und mit der Rente stellen sich Krankheiten ein, die einem hindern, das zu tun, worauf man sich gefreut hat. Ziel der Vorfreude erreicht, aber statt Wohlsein: Frust.

Also soll man sich gar nicht freuen auf etwas? Doch, soll man. Das Sprichwort weiß, dass die Vorfreude, die schönste Freude ist, aber damit ist schon auch die Warnung verbunden, dass die Erfüllung nicht immer herrlich wird. Öfter könnte man sich an das andere Sprichwort erinnern, dass der Weg das Ziel ist. Die Vorfreude
sozusagen nicht übertreiben und gelassener auf das Ziel blicken, das wäre ein Weg.

Kinder können das mit der Vorfreude: Ich werke mit den Kindergartenkindern vor Schuleintritt. Da sagt Leon eine Woche bevor er dran ist: „Ich darf bald im Keller basteln. Das darf man nur einmal im Leben.“ – Wolfram Zindler

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Alexandra Drewes

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Mi. 29.08.18
AN(GE)DACHT
Klaus Priesmeier
AN(GE)DACHT

Ernte-Dank-Momente

Der Spruch fiel mir nicht nur in die Augen, ich behielt ihn in meinen Gedanken: „Das Tischgebet ist das Erntedankfest des Alltags.“ Die Frage ist nur: wer eigentlich feiert dieses alltägliche Erntedankfest? Wer sieht, was er isst, als Gabe Gottes und der Menschen an – und nicht nur als etwas, das er sich als Kunde kauft? Und meint, deswegen habe er doch ein Recht darauf. Aber das ist ja wohl nicht alles, was hier wichtig ist!

Ich weiß auch noch, wie ich zusammenzuckte. Ich biss gerade genussvoll in eine Wurst – und hörte jemanden rufen: „Igitt, totes Fleisch!“ Da wurde es mir spontan wieder bewusst: um zu leben verzehre ich – Leben! Leben, das für mich sein Leben lässt. Seien es nun Pflanzen oder Tiere. Leben lebt vom Leben. Ist das nicht Anlass genug, mal einzuhalten? Nicht nur zuzugreifen, sondern einen Moment inne zu halten, sich dieser Zusammenhänge wieder bewusst zu werden. Und: zu danken. Zu danken, dass ich leben soll und leben darf. Dass ich genährt werde. Und da steckt mehr drin als meine Kaufkraft. Der Mensch ist noch mehr und anderes als Kunde. Ich bin lebendig und meine Lebendigkeit wird mir erhalten. Dafür wieder sensibel zu werden ist ein wichtiges und richtiges Ziel. Zu meiner Lebendigkeit brauche ich nicht nur Essen und Trinken. Das wusste auch Martin Luther. In seinem Kleinen Katechismus stellt er zur Vater-unser-Bitte  „Unser tägliches Brot gib uns heute“ die Frage: „Was heißt denn tägliches Brot?“ Und er antwortet: „Alles, was Not ist für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

Mit „fromm“ meinte man damals nicht eine zur Schau getragene Religiosität. Es bedeutet so viel wie gut, rechtschaffen, ehrlich, verlässlich. Und das gegenüber Gott und den Menschen. Das sollte man wohl voneinander erwarten können. Aber jeder weiß, wie wenig selbstverständlich das dennoch ist. Und es ist immer ein
Grund zu Dank und Anerkennung. Wann haben Sie denn zum letzten Mal Ihrem Partner, Ihrer Partnerin „Danke“ gesagt, Ihr Kind gelobt, Ihren Nachbarn gesagt: „Schön, dass Ihr unsere Nachbarn seid!“ usw.!? Es gibt Situationen, da wird es mir eindrücklich und ich spüre: ich sollte mal „Danke“ sagen. Nur: tue ich es? Tue ich es, und sei es nur in einer Art Stoßgebet: Danke, Gott! Tue ich es, sage Danke auch einem anderen Menschen oder gebe ein Trinkgeld, wenn ich es kann? Das tut ja nicht nur dem anderen gut. Es stellt zugleich mich selber in eine Welt, in der man bemerkt, was geschieht, in der man es wahrnimmt und annimmt. Und darin auch sich untereinander.

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die sind fast alle im Grunde ganz einfach. Dazu gehört: mir meine Angewiesenheit auf die anderen einzugestehen und frei werden, danke zu sagen. Es macht das Leben schöner. Denn es verbindet. Und der Dank kann uns miteinander auch mit Gott verbinden. Wer es tut, der merkt: mein Leben wird „rund“. Es passt. Und das macht schon wieder dankbar. Also, es lohnt sich, aufzumerken für die dankbaren Momente. Und sie auszuleben: Danke!

„Ein echtes Danke … ist immer ein Gebet!“ (Joachim Wanke)

„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ (Francis Bacon)

Kürzlich fiel mir ein Verkehrsschild in die Hände: Einbahnstraße. Es geht immer nur in eine Richtung – voran. Der Rat meines plattdeutschen Navis im Auto wirkt da ziemlich hilflos: „drei ümme – wenn ´t geiht“. Geiht nich! So gehen wir auch auf dem Lebensweg immer voran, und die Zeit meiner Vertretung in Visselhövede und Wittorf geht auch schon wieder zu Ende. Und der Ruhestand beginnt – mit dem Herbst, wie sinnig! Es war ein Privileg, Ihre schöne Kirche und die wunderbare Kapelle in Wittorf kennen lernen zu dürfen. Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen Situationen kommen dazu. Für das alles sage ich ein herzliches „Danke!“ Ich hoffe, die Stelle kann bald wieder regulär besetzt werden. Ihnen allen wünsche ich Gottes Geleit. In der St. Johannis-Kirche steht ganz oben auf dem Altaraufsatz der Name Gottes, in vier hebräischen Buchstaben. Eingedeutscht: jhwh. Dieser Name Gottes bedeutet etwa: ich bin der „ich bin da“; ich bin der, der mitgeht; ich bin der, als der ich mich erweise. Ein Wege-Gott. Nicht einer, der still steht, sondern einer, der mitgeht. Der vorangeht, zur Seite geht,
hinterher geht. Das Geleit dieses Gottes wünsche ich Ihnen und sage: Gott befohlen!

Ihr Klaus Priesmeier

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Klaus Priesmeier

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