Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Datum
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Name
Mo. 23.12.13
Lasst uns gehen
Lasst uns gehen

Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist.

(Lukas 2,15)

BILDER
Mo. 08.07.13
Urlaub zu Hause?
Jens Ubben
Urlaub zu Hause?

Gehören Sie auch zu der Gruppe Menschen, die an unbekannten Orten kaum zu bremsen sind und eine Sehenswürdigkeit nach der anderen entdecken wollen? Da wird keine Attraktion ausgelassen, kein interessanter Platz ist mehr sicher. Fern von der Heimat ruft fast alles Neugierde hervor. Nur zu Hause, da wo ich wohne und lebe, habe ich bei weitem noch nicht alles erkundet, was es zu entdecken gibt. Manche Ziele steuere ich nur an, wenn ich sie Besuchern zeigen möchte. Komisch! Ob das was für mich wäre, zu Hause Urlaub zu machen?

Die Frage können wir nur beantworten, wenn wir überlegen, warum wir eigentlich Urlaub machen. Meine Erfahrung: Wenn wir mit Menschen über Urlaub reden, erfahren wir etwas über Sehnsüchte. Denn fast alle wollen im Urlaub etwas erleben, was im Alltag nicht vorkommt.

Viele nutzen Urlaub, um von etwas wegzukommen. Mal weit weg sein dürfen. Vertrautes hinter sich lassen für eine Zeit. Das ist sicher wichtig, aber auch ein merkwürdiger Ansatz. Sollte Urlaub nicht weniger ein Wegkommen sein, sondern vielmehr ein Ankommen? Ein Ankommen bei mir selbst? Dabei kann es natürlich hilfreich sein, eine andere Umgebung anzusteuern, vielleicht einen Strand, Inspiration durch Kultur, Zeit für Lesen, Natur und vieles mehr. Aber das Drumherum ist ja nicht das Eigentliche. Am Ende des Urlaubs möchte ich sagen können: Ich bin mir selbst ein Stück näher gekommen!

Kennen Sie die biblische Geschichte von Jona? Der hatte so viel Angst davor, sich mit Gottes Herausforderungen beschäftigen. Und das heißt eben auch: Mich mit mir selbst beschäftigen, mit dem, was mich im Tiefsten ausmacht. Jona suchte lieber das Weite. Und buchte kurzerhand einen Platz auf dem nächsten Schiff. Doch seine Flucht klappte nicht: Er fiel über Bord, wurde von einem Wal verschluckt. Und genau da an Land gespuckt, wo er sich den Fragen seines Lebens stellen musste.

Urlaub heißt ankommen. Manchem, der lieber weit fährt, würde das vielleicht zu Hause sogar leichter fallen. Kommen Sie gut bei sich an!

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Jens Ubben

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
Fr. 21.06.13
Toleranz
Karin Klement
Toleranz

Wer die Bilder aus Istanbul sieht, erschrickt, empört sich. Zumeist junge Menschen, sogar Familien mit Kindern werden mit harten Wasserstrahlen der Polizei über die Straße gejagt. Tränengas brennt in ihren Augen. Mit Schlagstöcken prügeln Männer in Uniform wehrlose Frauen nieder. Öffentliche Proteste, Widerstand gegen den Abriss des symbolträchtigen Gezi-Parks erschüttern die langgepflegte Selbstherrlichkeit des türkischen Ministerpräsidenten. Widerspruch kann er nicht dulden; unzählige Oppositionelle wanderten bereits in Gefängnisse, Reporter werden massiv eingeschüchtert, Ärzte, die den Verletzten helfen, bekommen Druck von oben. Erdogan duldet keine Kritik an seiner Politik; er wehrt sich mit aller Macht, die ihm der Staat bietet.

Wer die Bilder aus Istanbul sieht, leidet mit, als ob er selbst die Schläge ertragen müsste. Zorn brennt auf, Wut, die zurückschlagen will. Jesus ging in den Tempel, trieb alle Verkäufer und Käufer heraus, stieß die Tische der Geldwechsler um und sprach zu ihnen: Gottes Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!

Überall, wo Menschen sich ungerecht behandelt fühlen, äußern sie Protest, werden sogar handgreiflich. Ruhig zu bleiben fällt extrem schwer. Dennoch braucht es die Begrenzung der Gewalt; sie geht einher mit der Bereitschaft zum Erdulden. Toleranz ist eine geistige Einstellung, eine innere Haltung; ich kann sie nicht von anderen fordern, ohne mich selbst darum zu bemühen. Deeskalation fängt in mir – der innerlich Aufgewühlten – an.

Jesus sagt: Liebt eure Feinde. Denn Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

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Karin Klement

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Pastor/-innen
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Pastor/-innen
Karin
Klement
Pastorin
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So. 16.06.13
Sich trauen zu bitten
Matthias Richter
Sich trauen zu bitten

Ein Junge bemühte sich vergeblich, einen riesigen Stein hochzuheben. Der Schweiß rann ihm von der Stirn. Sein Vater schaute zu und sagte schließlich: „Du setzt ja nicht deine ganze Kraft ein!“ „Natürlich“, rief der Junge, „das siehst du doch!“. Der Vater widersprach: „Das stimmt nicht. Du hast mich noch nicht um Hilfe gebeten!“

Ich bin sicher, der Junge hat was gelernt. Denn wenn es wichtig und richtig ist, dass der Stein gehoben werden muss, dann ist es genauso richtig und wichtig, um Hilfe zu bitten und Unterstützer zu suchen.

Zu meiner Tätigkeit für Kirche und Diakonie gehört es, dass ich selbst viele Menschen bitte und Unterstützer suche für soziale Aktionen. Außerdem ermutige ich viele Gremien und Kirchenvorstände, dass sie es ihrerseits wagen zu bitten und sich Unterstützer für die Projekte suchen, die sie angehen wollen. Oft suchen wir Menschen, die uns Geld spenden. Häufig geht es auch um gespendete Zeit und praktische Hilfe, manchmal auch um konkrete Gegenstände. Gemeinsam lässt sich viel bewegen: Da können Schwerstbehinderte Ausflüge machen, auch wenn die Krankenkasse das nicht vorsieht. Da können Jugendliche von der Straße geholt und begleitet werden, auch wenn das Gemeindebudget das nicht hergibt. Da können Sterbende und ihre Angehörige so betreut werden, wie ich es auch einmal für mich erhoffe. Für all solche Projekte bitte ich andere um Hilfe, um Zeit und Geld.

„Ist Ihnen das nicht peinlich,“ werde ich manchmal gefragt, „die Leute so zu nerven?“ Nein, das ist es mir nicht. Denn wenn der Stein gehoben werden muss, dann darf man sich nicht zu schade sein, sich Unterstützer zu suchen. Und außerdem ist eine höfliche und transparente Bitte niemals peinlich oder nervend, sondern schlicht menschlich. Viele Aufgaben in der Kirche, in der Arbeit mit behinderten oder kranken Menschen sind eben nur mit Unterstützern zu lösen. Mit Menschen, die über sich selbst hinausdenken. Allen anderen Behauptungen zum Trotz: Viele Menschen helfen gerne, Gott sei Dank.

Wahrscheinlich ist es ein guter Weg, das Glück zu finden: Sich trauen zu bitten. Und auf solche Bitten zu antworten. Und am Ende ist der Stein gehoben.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Di. 09.04.13
Die eiserne Lady
Matthias Richter
Die eiserne Lady

Die eiserne Lady ist tot. Am letzten Montag ist die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher im Alter von 87 Jahren gestorben. Davor war sie lange dement, lebte zurückgezogen.

Eigentlich ist das kaum eine Nachricht, die zu großen Gefühlen Anlass gibt. Sie hatte ein langes Leben. Und die großen Zeiten der umstrittenen Dame liegen über 20 Jahre zurück. Für die einen repräsentierte sie die Stärke ihrer Nation. Eine Frau, die anpackt, die endlich mal aufräumt. Für die anderen steht sie für sozialen Kahlschlag und für die Absurdität des Falklandkrieges. Und sie haben nicht ihre Nibelungentreue zum chilenischen Diktator Pinochet vergessen, den sie als aufrechten Kommunistenhasser verehrte.

Jetzt ist sie tot. Eigentlich ein guter Anlass, um noch einmal fair Bilanz zu ziehen. Wären da nicht die Gefühle. Die einen steigern nun ihre Verehrung für eine große Staatsmännin, blenden alles Kritische aus. Sie reduzieren die Lady auf den eindrucksvollen Einsatz ihrer Handtasche und ihre pfiffige Schlagfertigkeit. Die anderen verbrennen öffentlich Porträts von ihr, singen "Ding Dong, die Hex' ist tot!" und schmähen sie posthum als Schlampe.

Natürlich erklärt sich solche fortdauernde Polarisierung mit ihrem Leben, das früher schon nur wenige kalt ließ. Und natürlich wird auch manche Reaktion durch die Medien aufgebläht. Und dennoch beschäftigen mich die Berichte - vielleicht weil ich daran denke, was einmal über mich gesagt wird?

Vielleicht geht es manchen so wie mir, dass sie sich wünschen würden: „Wenn ich einmal soll scheiden, dann erinnert Euch an mich. Seid ruhig ehrlich dabei. Ja, ich habe manches verbockt, habe vieles falsch eingeschätzt. Manchmal war ich kein hilfreicher Zeitgenosse, und es war nicht leicht mit mir. In manchen Sachen war ich aber auch richtig gut. Ein paar Mal war ich wirklich selbstlos. Einige Male konnte man sich ein Vorbild an mir nehmen. Licht und Schatten eben – traut Euch und sprecht über beides. Ich hoffe, dass Euer letztes Urteil nachsichtig ist. Aber wenn das nicht geht, ist es eben auch so. Auf jeden Fall werde ich im Himmel viel über mich selbst lernen – und mit Euch noch viel zu diskutieren haben.“

 

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
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Fr. 28.09.12
»In seiner Hand: Eine Kanne voll Benzin…«
»In seiner Hand: Eine Kanne voll Benzin…«

Er steht nahe dem Feuer, er spürt die Hitze auf seinem Gesicht. In seiner Hand eine Kanne voll Benzin. Dann hebt er sie und gießt sie genüsslich in die Flammen. Sie schlagen erbost hoch, fressen die Provokation, wollen sich nicht beruhigen. Und sie breiten sich aus, greifen nach dem, was um sie herum steht. – Und er steht dort, in sicherem Abstand, und lacht. Als hätte er ein lustiges Feuerwerk gezündet. Und als man ihn fragt, warum er solche Zerstörung anrichtet, sagt er: »Nicht ich war‘s. Das Feuer war‘s. Ich habe nur von meinem Recht auf freie Meinung Gebrauch gemacht. Und meine Meinung ist: Dies ist lustig!«

Wütende Schreie, tobende Massen, brennende Fahnen, Angriffe auf westliche Botschaften, Tote. Ich wünschte, die demonstrierenden Massen in der arabischen Welt ließen sich nicht so leicht provozieren. Man spielt mit ihnen und sie lassen es zu. Sie werden benutzt. Ein perfider Plan. Und während die Zündelnden auf den Wert der Meinungsfreiheit pochen, droht ein anderer Wert verloren zu gehen: Der Respekt voreinander; die Achtung vor dem, was dem anderen heilig ist. Manchmal gilt es, weise abzuwägen, statt Prinzipien zu reiten!

Was dem Anderen heilig ist, das kann ich freilich nur erahnen, wenn wir im Gespräch miteinander sind! Wenn Dialog gesucht wird. Von ihm! Und von mir! Wenn wir bereit sind zu verstehen, was uns trennt und was uns verbindet. Ich begreife solch ein Zugehen aufeinander als einen Weg, der mir als Christ durch Jesus gewiesen ist. War nicht er es, der den Menschen zugehört hat? Der sich zwischen die Fronten gestellt hat? Der über den Glauben eines römischen (nichtjüdischen!) Hauptmanns gestaunt hat: »Solchen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden…« Umso sprachloser und wütender macht es mich, wenn ausgerechnet Pastoren (!) wie Terry Jones in den USA sich berufen fühlen, Korane zu verbrennen, Puppen des Propheten Mohammed zu basteln und aufzuknüpfen und vor laufenden Kameras mit ihren Pistolen herumzufuchteln.

Aus der kirchlichen Jugend in den USA schwappte vor acht Jahren eine Bewegung zu uns herüber, die hier damals viele Nachahmer fand. Jugendliche trugen Armbänder, auf denen eingestickt war: WWJD – What would Jesus do? Was würde Jesus tun? Ich glaube nicht im Ernst, dass er eine Kanne Benzin in der Hand hätte. Ich glaube, er würde sich zwischen den wütenden Mob und die Botschaftsmauern stellen und in BEIDE Richtungen sagen: Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Und es würde ganz still.

Pastor Marco Müller

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