Die "Brockeler Wiedereintrittsstelle"

Es gibt Gründe, weshalb Menschen in bestimmten Phasen ihres Lebens den Entschluss fassen, aus der Kirche auszutreten. Manchmal sind das unerfreuliche Erfahrungen mit dem "Bodenpersonal", wie es gern heißt. Natürlich ist das möglich. Denn wer könnte sagen, in der Kirche käme es nicht zu Missverständnissen oder auch zu verletzenden Fehlern? Andere haben sich über das Verhalten "der Kirche" oder ihrer Leitenden geärgert und ziehen deshalb einen Schlusstrich. Wieder andere können in dem, was die Kirche ihnen bietet, wenig Bereicherndes entdecken. Und natürlich gibt es auch Menschen, die austreten, weil ihnen die monatllich vom Gehalt abgebuchte Kirchensteuer ein Dorn im Auge ist.

Welche Gründe auch immer es sind, die Pastoren und Kirchenvorsteher/innen betrübt es, wenn uns ein Austrittsbescheid durch das Standesamt zugestellt wird. In jedem Fall fragen wir nach - meist mit einem Brief, worin der Grund für die Entscheidung lag. Denn wir möchten die Kirche nicht als einen Verein begreifen, in dem man seine Mitgliedschaft einfach kündigt. Wir suchen den Kontakt zu den Menschen und möchten das auch in diesem Fall tun und schlicht zuhören.

Schön ist, dass Entscheidungen auch rückgängig gemacht werden können. So ist das auch mit einem Kirchenaustritt. Und es gehört gar nicht viel dazu. Das zeigen Aktionen wie die "Wiedereintrittsstelle" vorm Einkaufszentrum Dodenhoff in Posthausen, an der Jahr für Jahr zig Menschen wieder eintreten. Doch die ist ja beschränkt auf die Adventszeit. Was also tun, wenn man sich schon lange mit dem Gedanken befasst und irgendwie keinen Schritt weiter kommt?

Wiedereintritt

Wie kann man denn wieder eintreten...?

Für einen Wiedereintritt muss man einfach den Kontat zum Pastor vor Ort suchen. Jedes Pfarramt ist sozusagen (ebenso wie die Superintendentur in Rotenburg) eine kleine "Wiedereintrittsstelle". In Brockel reicht ein Anruf oder eine Email an das Kirchenbüro oder den Pastor. Wir werden dann einen Termin vereinbaren, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Aber keine Angst, denn das ist alles andere als eine "Prüfung". Wir möchten die Interessenten einfach gern kennen lernen und (wenn wir dürfen) erfahren, ob möglicherweise Belastendes in der Vergangenheit zu einem Austritt geführt hat. Benötigt werden in diesem Gespräch der Personalausweis, nach Möglichkeit die Taufurkunde (v.a. das Taufdatum) sowie nach Möglichkeit die Daten des Kirchenaustritts. Im Rahmen dieses Gesprächs wird dann ein kurzes Formular ausgefüllt und unterschrieben - die weiteren Schritte übernehmen wir. Die Eingetretenen werden lediglich gebeten, ihre neue Kirchenzugehörigkeit auf der Lohsteuerkarte verzeichnen zu lassen. Natürlich ist der Kircheneintritt kostenlos - das muss deshalb gesagt werden, weil bei den staatlichen Stellen (!) beim Austritt in der Regel eine Gebühr zu zahlen ist. Sollten Sie für Nachfragen oder zum Wiedereintritt lieber die Superintendentur in Rotenburg kontaktieren wollen, so ist dies über die Telefonnummer 04261-9437042 möglich. Dies hat nichts mit der sich durch einen Wiedereintritt ergebenden Gemeindezugehörigkeit zu tun.

Und wenn ich gar nicht getauft bin?

Wer nicht getauft ist, kann durch die Taufe Mitglied der Kirche werden. Auch das stellt kein Problem dar. In diesem Fall würden wir uns sozusagen zusammen in persönlichen Gesprächen "auf den Weg machen"... Am Ende eines solchen Weges kann dann die Taufe stehen. Besonders schön ist es für die an einer Taufe Interessierten, wenn sie an einem Taufseminar teilnehmen können, das regional veranstaltet wird. Dort kommen in guter Atmosphäre schnell tolle Gespräche zustande und man lernt nette Leute kennen.

Was "bringt" ein Kircheneintritt denn?

Zunächst dürfen Eingetretene sich wieder als Glieder der Kirchengemeinde verstehen. Und dazu gehören eine Reihe von Rechten. Sie haben ein Anrecht auf so etwas wie eine "kirchliche Grundversorgung". Dazu zählen selbstverständlich liebevoll vorbereitete Gottesdienste ganz verschiedener Art, Abendmahlsfeiern und Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und auch die kirchliche Bestattung. In Brockel bieten wir auch gern feierliche Andachten zur Silbernen oder Goldenen Hochzeit an. Möglich ist das auch bei besonderen Geburtstagen. Überhaupt die Geburtstage: Ab dem 80. bekommen unsere Gemeindeglieder jährlich Besuch aus der Kirchengemeinde, zu den runden Festen durch die Pastoren, zu allen anderen durch den engagierten Besuchsdienstkreis. Und natürlich sind wir Pastoren auch als Seelsorger für alle ansprechbar. Wir hören zu. Und vor allem: Wir schweigen über das, was uns erzählt wird. In jedem Fall!
Im weiteren Sinne steht unseren Kirchengliedern aber das ganze Feld offen, auf dem unsere Kirchengemeinde sich engagiert: Wir machen mit Lust und mit Freude Jugendarbeit, bei uns treffen sich fröhliche Kinder in der Kinderkirche und dr Kindertheatergruppe, spielen und lernen, was Glauben und christliches Handeln heißen kann. Hier gibt es Kreise und offene Angebote für Erwachsene im Elternalter und für Senior/innen. Die Kirchengemeinde Brockel ist wie ein Haus aus lebendigen Steinen: Man kann daran mitbauen und soll sich darin bergen können, wenn das Not tut.
Alle sechs Jahre finden die Wahlen zum Kirchenvorstand statt - das nächste Mal im Jahr 2012. An diesen Wahlen dürfen alle Kirchenglieder ab dem 16. Lebensjahr teilnehmen. Ab 18 dürfen sie selbst kandidieren und somit Verantwortung übernehmen. Denn der Kirchenvorstand ist das Leitungsgremium in der Gemeinde. Fast nichts geschieht an ihm vorbei - auch nicht durch die Pastoren.

Und die "Kirchensteuer"...?

Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Kirchenmitgliedschaft für Verdienende nicht kostenlos ist. Mit einem Wiedereintritt ändert sich die Gehaltsabrechnung der Eingetretenen. Das ist so, weil die Beiträge der Kirchenglieder, die "Kirchensteuer" (in Niedersachsen 9 % der Lohnsteuer), automatisch vom Finanzamt eingezogen wird. Diese Variante ist aufgrund ihres relativ geringen Verwaltungsaufwandes sehr viel günstiger für unsere Kirche als wenn die kirchliche Verwaltung selbst für den Einzug der Beiträge veranwtwortlich wäre. Mit anderen Worten: Es kommt mehr Geld dort an, wo es gebraucht wird und es wird weniger Geld in der Verwaltung verbraucht. Weitrere Infos erhalten Sie rechts unten!

Und weshalb sollte ich etwas bezahlen, obwohl doch die meisten Angebote kostenlos sind?

Aus Solidarität. Unsere Kirchengemeinde bietet - genauso wie viele andere Kirchengemeinden - eine Fülle von Angeboten für Menschen aller Altersgruppen an. Wir legen dabei großen Wert auf Qualität: Arbeit mit Kindern soll nicht einfach Zeitvertreib sein, sondern dient der Bildung von selbstbewussten jungen Menschen; Konfirmandenunterricht und Jugendarbeit sollen die jungen Menschen aufbauen und stärken in einer Zeit der Verunsicherung; moderne Gottesdienste orientieren sich an den Bedürfnissen der Besucher, nicht an dem, was der sprichwörtliche "Pfarr-Herr" gern hätte; und auch die Angebote für Senioren und Seniorinnen haben immer zweierlei im Blick: Gemeinschaft fördern und zugleich zu Mut machenden Perspektiven herausfordern...
Als Kirche fragen wir nicht, wer von den Besuchenden "Mitglied" ist. Wir hoffen, dass Menschen erkennen, dass gute Arbeit auch Geld kostet - und dass es sich für alle lohnt, auf sie nicht zu verzichten.

Quicklebendig...

...ist die Kirche durch all ihre verschiedenen Arbeitsfelder. Nicht immer und überall, das ist gewiss wahr. Aber eben immer wieder und vor allem immer wieder neu. Vor allem merken wir Hauptamtlichen in den Kirchengemeinden stets aufs Neue, dass Kirche und Gemeinde genau so lebendig sein kann, wie ihre Menschen dies wollen und fordern und unterstürzen. Kirche ist keine "Ein-Mann-Show". Martin Luther war es, der die biblische Rede vom so genannten Priestertum aller Gläubigen wieder entdeckte: Alle Glaubenden wirken an ihrem Auftrag mit. Deshalb schätzen wir uns in der Kirchengemeinde Brockel auch glücklich über eine richtig große Schar von engagierten ehrenamtlichen Menschen, die Lust haben, alles Mögliche mit anzupacken: Von Leitungsaufgaben über die Mitgestaltung an farbigen, bunten Gottesdiensten bis hin zu ganz praktischen Dingen wie dem Anbau von Kürbissen auf dem Kürbisfeld für unseren Stand auf dem Bauernmarkt oder dem unregelmäßigen Mithelfen bei verschiedenen Belegenheiten im AktivenPool.

Wir alle freuen uns über jede und über jeden, der sich entscheidet, den Weg in die Kirche zurückzukommen und natürlich über alle, die diesen Weg überhaupt das erste Mal gehen.

 

KONTAKTE

Alexandra Drewes

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Friedhofsverwaltung
Kirchenbüro
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Regionales Kirchenbüro
Alexandra
Drewes
Pfarrsekretärin
Dorfstraße 4
27386
Brockel
Tel.: 
04266-2216
Fax: 
04266-2347

Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187

Ralf Altebockwinkel

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Kirchengemeindeverband
Pastor/-innen
Ralf
Altebockwinkel
Pastor + stellv. Vorsitzender Kirchenvorstand
Kirchstraße 3
27386
Brockel
Tel.: 
04266/955565
Mobil: 
(0151) 18941641

WEITERE INFORMATIONEN

Wie ist das eigentlich mit der Kirchensteuer?

Die Kirchensteuer wird als Beitrag von vielen Kirchengliedern erhoben, um die vielfältigen Aufgaben der kirchlichen Arbeit und die in ihr Arbeitenden verlässlich finanzieren zu können. In Niedersachsen ist die Kirchensteuer festgelegt auf 9 % der zu zahlenden Lohnsteuer. Sie wird automatisch eingezogen und wird auf der Gehaltsabrechnung ausgewiesen.

Viele Menschen fragen sich, weshalb das so ist. Die Antwort ist sehr einfach: In Deutschland zieht der Staat die Kirchensteuer ein, weil das vertraglich zwischen dem Staat und der Evangelischen Kirche so geregelt ist - durch Verträge, weil es in Deutschland ausdrücklich keine Staatskirche gibt. Für diese Dienstleistung muss die Kirche dem Staat sogar eine Gebühr bezahlen. Das allerdings ist der für die Kirche und ihre Gemeinden effektivste Weg, mit den wertvollen Geldern umzugehen. Denn würde sie stattdessen ein eigenes kirchliches System betreiben, wäre dies durch den hohen Verwaltungsaufwand erheblich teurer!

 

Und was wird mit der "Kirchensteuer" gemacht...?

Unsere Hannoversche Landeskirche hat zu dieser immer wieder zurecht gestellten Frage folgende Zahlen veröffentlicht. Von 100 Euro Kirchensteuer gibt die Landeskirche aus für:

  • Arbeit und Leben in den Kirchengemeinde und Kirchenkreisen vor Ort (Gottesdienst, Kinder- und Jugendarbeit, Besuchsdienst, Frauen- und Männerarbeit, Krankenhausseelsorge, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Telefonseelsorge, Studentenarbeit, Friedensarbeit, Pfarrbesoldung und -versorgung) = 61,90 €
  • Diakonie (Dienst am Nächsten, soweit nicht bei "Arbeit und Leben" enthalten, z.B. Diakoniestationen, Kindergärten, Lebensberatung) = 7,10 €
  • Gesamtkirchliche Aufgaben (Partnerschaften, Mission, Ökumene, Entwicklungsdienst, EKD) = 6,90 €
  • Unterhalt der kirchlichen Gebäude = 3,70 €
  • Aus- und Fortbildung (von Pastoren und Miarbeitern, Bildungswesen, Schulen, Erwachsenenbildung, Ev. Akademie, Heimvolkshochschulen, Tagungsstätten, Öffentlichkeitsarbeit, Publizistik) = 4,50 €
  • Allgemeine Finanzwirtschaft (Versicherungen, EDV, etc.) = 12,40 €
  • Zentrale Leitung und Verwaltung = 3,50 €

[Quelle: Evangelische Landeskirche Hannover, 2006]